Ausgabe Nr. 101
Renate Lechner plaudert mit Hans Ecker
Interviewtext
Renate Lechner plaudert mit...
Liebe Augustin-Freunde! Diesmal muss der „Schmäh" rennen und zwar mit kei- nem Geringeren als Kommerzialrat Hans Ecker, bekannt auch als Namensgeber des grandiosen Hans Ecker-Trios, Vizepräsident der AKM in der Autorenkurie und Vorstands- mitglied des Verbandes Österreichischer Textautoren. Ich freue mich ganz besonders, Ihnen einen der liebenswer- testen Künstler präsentieren zu dürfen.
RL: Als echter Wiener und Favoritner bist du in einer Familie aufgewachsen in der viel gesungen wurde. Schon mit 3 Jahren hast du nicht nur deine liebe Mutter mit „Stellt's meine Roß in Stall" begeistert. Das war deine erste Tonaufnahme, deren noch sehr viele folgten und folgen werden. Welche Erinnerungen hast du an diese Zeit?
HE: Sehr starke Erinnerungen, weil nicht nur das familiäre in lieber Erinnerung ist, sondern auch das Wienerlied, das Volkslied. Bei uns ist immer gesungen worden, und soweit ich mich zurückerinnern kann, begleitet mich die Musik, der Gesang. Schon als Klaner hab' i mit kriegt, dass spe- ziell beim Wienerlied, wenn man genau hinhört und die Ohr'n und des Herz aufmacht, sehr viel Botschaften drin- nen stecken.
RL: Dass du Gitarre spielen erlernt hast, kann man bei den zahlreichen Auftritten hören und sehen. In der Schule hattest du deine erste Band und schon als Teenager hast du gelegentlich beim Heurigen gespielt. Begann da deine Liebe zum Wienerlied?
HE: Zu der damaligen Zeit hat die Liebe zum Wienerlied nicht begonnen, sondern sie war bereits gegeben und ich hab' das unsagbare Glück, dass ich bis zum heutigen Tag Lieder spiele, singe, interpretiere, die ich auch wirklich gerne vortrage. Vieles von damals prägt mich bis heute, es bewegt mich. Ich bin da sehr leidenschaftlich und die Leidenschaft will ich mir auch weiter bewahren. Es muss alles passen, auch auf der Gefühlsebene.
RL: Dein „bürgerlicher" Beruf war im grafischen Gewerbe. Auch hier war dir der Erfolg hold. War es schwierig für dich Beruf und Berufung zu verbinden?
HE: Nein nie, es war nur eine sehr gute Zeiteinteilung nötig.
RL: 1993 formierte sich das grandiose Hans Ecker-Trio. Mit deinen kongenialen Partnern Rudi Bichler (Studium am klassischen Akkordeon, Tondichter, Arrangeur) und Peter Jägersberger (Kontrabass, Gesang; studierte Po- saune und Gitarre am Jazzkonservatorium Wien, Aus- zeichnungen als Fotograf und Literat) hast du dich nicht nur dem Wienerischen verschrieben, sondern ihr etabliert euch immer mehr im Genre des Heurigenkabaretts. Wo- bei auch eure rockigen und internationalen Klänge Spitze sind. Wie habt ihr euch gefunden? Gibt es lustige Anekdo- ten aus der „Gründerzeit"?
HE: Jaaaaa, es gibt viele Anekdoten, aber die können wir alle ned schreiben, viele der damals beteiligten Akteure leben noch. Mai 1993, den Rudi Bichler hab ich schon gekannt. Ich hab in einer Oberkrainer Tanzgruppe gespielt, in der Rudi auch gespielt hat, aber nicht zeitgleich. Später hatte er ein Duo, das zu einem Trio gewachsen ist und einer sei- ner Partner war Peter Jägersberger. Ich bin damals mit der Familie in den Prater zum „Eisernen Mann" gegan- gen, plötzlich steht der Rudi auf der Bühne. Na und die rufen mich hinauf, weil sie mich begrüßen wollten, er stellt mir den Peter und den Dritten vor und sagt: „Geh' weil'st scho' da bist, sing mit uns a Lied". So sind das zwei, drei Lieder geworden, ich hab mir gedacht: „A guade Partie, g'fallt ma". Plötzlich war der Dritte von ihnen verhindert, sie hatten einen Auftritt in Baden, die wollten ein Trio - wir haben nicht eine Sekunde geprobt oder irgendein Programm abgestimmt - und in Baden haben wir dann gemeinsam gespielt. Da hat man schon diese Harmonie gemerkt. Das ist einfach stressfrei, unkompliziert g'rennt. Beim Praterstraßenfest wollten sie uns bereits zu Dritt haben, ich hab mit dem Rudi und mit dem Peter g'redt und wir haben das Geschäft angenommen. Dann kamen vermehrt Anfragen und Geschäfte, und wir beschlossen: „Wir wollen den Weg gemeinsam gehen". Ich kann mich noch gut an die Worte eines Mannes erinnern der g'sagt hat: „Habt's eh recht, tat's nur, aber i gib euch höchstens 2 Jahr" und das Gegenteil ist der Fall. Unser Credo ist, jede Einnahme jede Ausgabe wird gedrittelt, wir reden immer von einer drei Drittelmehrheit, wenn es um Entscheidun- gen geht z. B. welches Lied wir ins Programm nehmen, ob wir eine Neuanschaffung, eine Produktion machen, ob wir ein Engagement annehmen usw., wie auch immer - immer zu Dritt. Entweder wir machen's oder wir lassen's. Der optimale Idealzustand.
RL: Und der Erfolg gibt euch recht.
HE: Ja, und i g'frei mi drüber. Denn das Auftreten unse- res Trios bzw. einer Musikgruppe besteht nicht nur, dass wir schön und möglichst originell etwas darbieten, da gehört mehr dazu. Ob Technik, Transport, Versicherungs- geschichten, Vertragsangelegenheiten, Werbung, phische Gestaltung, Homepage usw., bei uns hat jeder seinen Part mit dem er sein Interesse, Können und seine Leidenschaft abdeckt. Ich kümmere mich z. B. um die Technik überhaupt nicht. Ich brauch mi ned drum küm- mern, weil i hau höchstens was z'samm. Technik macht der Peter, in Abstimmung mit dem Rudi. Der kümmert sich um Instrumente, Arrangements, die Musikalität usw. und ich kümmer mich um alles rund ums Trio. Die Zwei hätten nie Ambitionen etwas auszumachen, Kontakte zu knüpfen, Verträge auszuformulieren, „na mein Gott, des mach halt i, das hab ich ja mit bracht, ich mach eigent- lich nix anderes als was i immer schon g'macht hab". Es ist bei uns eine tatsächliche Harmonie. Eine Dame hat es bei einer Veranstaltung ganz auf den Punkt gebracht. Ihr Drei seid so unterschiedliche Charaktere, die zusammen aber eine Einheit bilden. Des unterschreib' ich. Man ist oft sehr leichtsinnig mit dem Wort Freundschaft, und ich sag immer, uns drei verbindet weit mehr als Freundschaft!
RL: Wurde von euch jemals in Frage gestellt, dass ihr euch „Hans Ecker-Trio" nennt?
HE: Ja von mir! Wir waren damals auf Namenssuche. Allein der Herkunft wegen, hab ich einen Namen ge- braucht und da bin i auf die „unhamlich tolle Idee" gekom- men i bin der Favoritner Hansl. Es gibt heute noch Pla- kate von unserer Anfangszeit und wir nannten uns: „Der Favoritner Hansl und seine Freunde". Nach einem Jahr hab' ich g'sagt: „Burschen, i find den Namen ned ganz glücklich und zwar, wenn wir außerhalb von Wien spielen; da können sich die Leut ned viel vorstellen d'runter". Der Rudi und der Peter hab'n g'mant, allein wegen der Aufga- benteilung und der Präsenz, ,du stehst im Vordergrund, du führst durchs Programm, du moderierst, du singst, du machst den Schmäh", wir nennen uns „Hans Ecker-Trio". Mir war das unangenehm, da wird mein Namen so in den Vordergrund gedrängt, wir sind drei Leut', na i mog des ned. Doch die zwei wollten es so. Jedoch, ich hab immer d'rauf g'schaut, dass bei den Ankündigungen oder Plaka- ten immer alle drei Namen stehen.
RL: Die Optik von euch war eher gewöhnungsbedürftig - vor allem in der damaligen Zeit. War das Absicht?
HE: Die Bühnenkleidung war im wahrsten Sinne des Wortes „MERK WURDIG". Rudi hat auf eine bestimmte Bühnenkleidung nie Wert gelegt hat. Warum, der sitzt auf der Bühne und hat stundenlang ein schweres Instrument auf dem Schoß, nebenbei bedient er das Keyboard usw. und ist permanent gefordert. Peter wiederum, ist etwas schwieriger zu beschreiben, der hat halt seinen Hut auf und mag es nicht wenn den einer angreift, oder von sei- nem Kopf nehmen will, da wird er ganz narrisch. Das ist a „Altausseer" und er verkörpert damit auch ein bissl sei- ne Herkunft (Anm: und seine 2 verschiedenen Schuhe?). Das ist laut Peter sein berühmtes „Gartenzaunprinzip", er hat ja schon verschiedene Bücher geschrieben, da philo- sophiert er in einem seiner Bücher darüber. Das ist eine ziemlich schräge G'schicht, die man erst nach a paar Gla- serln versteht. Ja und zu mir, ich bin von Jugend an gerne im Anzug, mir taugt des. Dazu ein Lebensmotto von mir: „man soll die Leut' so lassen, wie sie san'". Genauso ha- ben wir das bei uns gehandhabt.
RL: Mit dem von dir komponierten und getexteten neu- en Hit: „Alte Bilder", konntet ihr auch im Fernsehen über- zeugen. Was sagst du dazu, läuft es wieder in der Wiener
HE: Das „Alte Bilder" ist ein eher besinnliches Lied, ein Lebenslied, ich sag immer: „Das hab ich nicht geschrie- ben, das ist mir passiert". Da steckt sehr viel Persönliches drinnen. Auf die Frage bzgl. der Wiener Szene, dieses Tot- sagen, Totjammern da gehör' ich nicht dazu. Allein wenn man hier in den „Wienerlied aktuell-Kalender" schaut, sieht man wie viele mannigfaltige Veranstaltungen es gibt. Wie viele Künstler/innen es gibt, wie vielschichtig die agieren. Meiner Meinung hat sich auch eine neue völlig neue Szene entwickelt, neue Interpretationsformen wer- den geschaffen, das ist interessant und gut, des braucht niemand in a Winkerl stellen. „Hört auf zu raunzen, spielt es, singt es und aus!"
RL: Neben deiner Tätigkeit im und um das Hans Ecker- Trio, bist du auch mit Vollgas dabei, dich für Kollegen und Kolleginnen aus der Musikbranche einzusetzen. Als Vize- präsident der AKM in der Autorenkurie, im Vorstand des Verbandes Österreichischer Textautoren (VOET) bewirkst du Beachtliches. Was sind deine nächsten Ziele?
HE: Diese Aufgaben in der AKM und beim VOET ermög- lichen mir, dass ich mich sehr intensiv mit den Themen: Urheberrecht, Kunstschaffende - sei's Autoren, Kompo- nisten bis zu darbietenden Bühnenkünstlern, Produktio- nen, verschiedene Technologien usw. - auseinandersetze und dem widme. Ich sehe das als Aufgabe und ich nehm' das sehr ernst und persönlich, indem ich sag: „die eigent- liche Arbeit beginnt in der Aufklärung". Da gibt es eine gewisse Scheu vor der AKM, manche verwechseln es auch und sagen, das ist eine Steuer. Für mich ist wich- tig, dass man den Leuten erklärt, dass die AKM nicht der Feind ist, sondern die AKM sehr viel für die Kunstschaf- fenden tut. Nicht der Musiker, nicht der Komponist zahlt AKM. Es wird eine Veranstaltung gemacht, die wird ange- meldet, da gibt es einen Satz, der wird errechnet, das zahlt der Veranstalter. Der Musiker, der Kapellmeister, schreibt ein Programm der Titel, die er aufgeführt hat, und aus den eingenommenen Geldern wird dann die Abrechnung durchgeführt und dieses Geld kommt zurück, an all jene die diese Werke geschaffen haben. Ich bin der Meinung, wenn ich heute ein Lied spiele und ich habe Erfolg damit - es gibt ja kein Musikprogramm ohne Musikstücke und die muss ja irgendwer einmal geschrieben haben - dem- jenigen soll auch eine gerechte Entlohnung zuteilwerden. Das garantiert eine Verwertungsgesellschaft. In unserem Fall ist es die AKM. Und dafür setze ich mich ein. Dafür, dass Informationen weitergegeben werden, die zur Auf- klärung beitragen. Dass es einen Unterschied gibt, wenn die Leute sagen: „ich zahl ja eh dem Musiker a Gage und ich zahl ja eh die GIS und ich zahl ja eh schon für meinen Radio im G'schäft a AKM", das kann man alles verständ- lich und vernünftig erklären. Man muss auch dem Musiker erklären, dass das nicht ein lästiger bürokratischer Auf- wand ist, wenn er seine Titelliste schreibt und abgibt, son- dern es ist einfach eine Notwendigkeit. Die Werke sollen geschützt sein und sie können nur dann geschützt sein, wenn er Mitglied bei der AKM ist und seine Werke dort registrieren lässt. Ich fühl mich als Bindeglied, einerseits als aktiver Musiker, anderseits als Teil der AKM. Der Verband Österreichischer Textautoren (VOET) ist für mich auch sehr wichtig. Er gibt mir die Möglichkeit, für Autoren eine Art geistige Heimat zu bilden. Man ist unter Gleichgesinnten, es werden immer wieder Aussendungen gemacht, wir informieren die Mitglieder, machen jährlich Wettbewerbe, wo man teilnehmen kann, es gibt Infor- mationsveranstaltungen usw. Zur Info die Homepage:
RL: Abschließend, bei euch gilt das Motto: „Jeder Auftritt wird zu einem Fest unter Freunden". Ob bei Schiffsfahrten, der Großen Wiener Rathausgala, am Wiener Wies nfest, Zeller Seefest oder bei Gastspielen in vielen Städten Euro- pas u. v. m., das Publikum bekommt für die Lachmuskeln, für's Herz und Gemüt alles geboten. Wo kann man euch demnächst wieder live bewundern?
HE: 4. 10. Wiener Wiesnfest, 7. 10. Oktoberfest in Wie- ner Neudorf, 8. 10. Neptunfest/Tagesausflug auf der MS KAISERIN ELISABETH Il nach Bratislava, 21. 10. Gala im Eiskeller in Puchberg am Schneeberg, so geht's da- hin, vom Wiener Lied bis Rock usw., bieten wir ein weites Spektrum an Unterhaltung auch mit unseren Heurigen- kabarett, wegen dem die Leut' letztendlich auch zu uns kommen und das gerne aufgenommen wird. Der Freun- des- und Fankreis wird Gott sei Dank immer größer und ich bin unheimlich dankbar dafür. „Hansi hat euch lieb"! www.hans-ecker-trio.at. Lieber Hans, DANKE, DANKE, DANKE!!!! Das war eines