Kurt Freitag

Ausgabe Nr. 104

Renate Lechner plaudert mit Kurt Freitag

OCR-Interviewtext mit erhaltener gedruckter Fassung.

Interviewtext

Renate Lechner plaudert mit...

Liebe Augustin-Freunde! In unserer Sommerausgabe möchte ich Sie diesmal in die Welt der Magie entführen und das mit niemand Geringe- rem als dem Europameister der Zauberkunst, Kommerzi- alrat Kurt FREITAG. Auf höchstem Niveau unterhält er sein Publikum mit spektakulären Darbietungen. Kurt FREITAG ist u. a. Mitglied im exklusiven „Magic Circle London" (Silverstar), im „Magic Castle Hollywood", im „Magischen Zirkel" von Deutschland um nur Einiges aufzuzählen. Aber lassen Sie uns mit „Simsalabim" gleich beginnen.

Renate: Du bist Mitbegründer des Magischen Cercle Wien (1989), mittlerweile auch Präsident dieses elitären Clubs. Wie bist du zur Zauberei gekommen?

Kurt: Ich war einer der jüngsten Fleischermeister von Wien, und eines Tages zu meinem Geburtstag war ein Zauberer eingeladen. Viktor Graf, Vizepräsident vom Ma- gischen Club Wien. Seine Darbietungen haben mir so gut gefallen, dass ich mit ihm Kontakt aufgenommen habe und er mir nach und nach die ersten Grundschritte bei- brachte. Als Fleischhauer musste ich erst die Feinmotorik lernen, die Kartengriffe etc. Als ich dann soweit war und er mich in den magischen Club mitgenommen hat, durfte ich ein halbes Jahr Gastmitglied sein und danach machte ich die Aufnahmeprüfung und habe bestanden. Ich habe mich weiterentwickelt, und im Club war das geflügel- te Wort: „Zaubern kann jeder lernen, ein Begabter kann es schneller, ein Unbegabter muss halt doppelt solange üben, aber lehrbar ist Alles."

Renate: Und Du hast fleißig geübt...

Kurt: Selbstverständlich. Ich war im Anschluss 10 Jahre Mitglied und der Club hatte so regen Zuspruch - es wa- ren schon um die 60 bis 80 Mitglieder - das war dann nicht mehr familiär da haben wir uns geteilt. Peter Heinz Kersten (1929-2004) einige andere und ich haben einen eigenen Club gegründet, den „Magischen Cercle Wien".

Renate: Euer Club (MCW) hat ja auch die Zusatzbezeich- nung „Döbler-Salon"?

Kurt: Ja, Ludwig Döbler war um 1800 einer der vor- nehmsten Zauberkünstler seiner Zeit und verkehrte in den höchsten Kreisen. Er hat mit seinen Zauberkunststücken Kaiser Franz, Fürst Metternich, Goethe, Königin Viktoria etc. begeistert. Sein eindrucksvollstes Stück war: „Floras Blumenspende", , wo aus einem leeren Hut zahlreiche kleine Blumensträuße erschienen sind, jeder mit einem Gedicht versehen (Hier ein Sträußchen, da ein Strauß- chen, noch ein Sträußchen") das sind Döbler-Sträußchen die auch heute noch als Biedermaier- Sträußchen bekannt sind.

Renate: Du bist Österreichischer und Deutscher Meister in „Close-Up-Magie". Was können wir uns unter diesem Begriff vorstellen?

Kurt: „Close-Up-Magie", ist die Zauberkunst, wenn man unmittelbar beim Tisch, ganz nahe am Zuschauer arbeitet. Zum Beispiel: Kartentricks, wo der Zuschauer eine Karte zieht und diese dann wieder auf unerklärliche Weise auf- taucht. Ich bin eigentlich der bekannteste und einer der besten Hütchenspieler der Welt. Auf der Straße ist das ver- boten, da die Leute betrogen werden. Ich habe aber durch Veranstaltungen der Polizei unter dem Motto: „Wollen Sie wissen wie ein Hütchenspieler spielt, oder wollen Sie wissen wie so etwas geht", sehr viel Aufklärungsarbeit geleistet und gezeigt, dass beim Hütchenspiel nicht ge-

Renate: Du hast aber den Trick nicht verraten, auch nicht der Polizei?

Kurt: Das kannst du nicht verraten, das hat sehr viel mit Fingerfertigkeit zu tun. Wenn ich dir heute erkläre, wie ich auf der Rennbahn fahre, dann weißt du wie es theoretisch geht, aber fahren kannst du noch immer nicht. Ich habe immer darauf Wert gelegt, alle meine Kunststücke nicht mit Tricks, sondern mit Fingerfertigkeit zu vorzuführen.

Renate: Es gibt ja die verschiedensten Sparten der Magie u. a.: Mentalmagie, Bühnenmagie, Kartenkunst und eben ehemals Mikromagie (Tischzauberei), heute unter „Close- Up-Magie" bekannt. Das Gegenteil dürfte dann die Groß- illusion sein, wodurch z. B. Siegfried und Roy oder David Copperfield Bekanntheit erlangten.

Kurt: Nicht das Gegenteil, sondern es gibt eben verschie- dene Sparten der Magie. Die Großillusion ist eine Kunst, so wie du sagst David Copperfield etc., dann gibt es all- gemeine Magie, das sind die Leute die z. B. mit Tüchern und Seilen zaubern, dann die Mentalmagie, die Bühnen- magie die sich wieder unterteilt, Comedymagie etc.

Renate: Was kostet ca. ein Equipment in der Großillusion?

Kurt: Siegfried und Roy z. B. haben eigene Techniker die nur mit dem Entwurf beschäftigt sind, da kostet eine Illusion schon um die 50.000 Euro und da muss der Künstler auch noch sehr lange daran üben. Das Schweben von David Copperfield kostet bestimmt um die 50.000 Euro.

Renate: Was kostet es wenn ich z. B. ein Flugzeug ver- schwinden lassen?

Kurt: Das kostet auch nicht mehr, das ist nur ein irrer technischer Aufwand. Mehr möchte ich dazu nicht sagen, denn du weißt ja (lacht sehr): „Wenn ich dir einen Trick verrate, muss ich dich danach umbringen und das will ich dir ersparen."

Renate: Die Tischzauberei (Close-Up-Magie) fasziniert das Publikum durch ihre Nähe, in der der Zuschauer intensiv versucht dem Darbietenden auf die Schliche zu kommen. War das bei dir schon einmal der Fall oder amüsieren dich die jeweiligen Thesen, wie du das schaffst?

Kurt: Wenn ein Kunststück unerklärlich ist, dann bildet sich der Zuschauer automatisch ein Urteil. Egal ober er recht hat oder nicht. Er sagt z. B.: „Das hab ich gesehen, ich hab gesehen das der Vogel geflogen ist ...", dabei

hat's gar keinen Vogel gegeben. Aber er hat sich das ein- gebildet und er hat's gesehen und von dem ist er nicht mehr wegzubringen. Der Zuschauer braucht eine Aufklä- rung - von mir bekommt er sie nicht - also bastelt er sich eine.

Renate: Wie erwähnt, ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass ein Magier seinen Trick bzw. die Fingerfertigkeit nicht verrät. Was hältst du von den sogenannten „Aufdeckern", die oft im Fernsehen mit schwarzen Masken auftreten und einem durch die Aufklärung die kindliche Faszination rau- ben?

Kurt: Das ist nicht so schlimm, das macht nichts. Denn damit wird wieder das Interesse an der Zauberkunst ge- weckt. Die Zauberkunst bleibt nicht stehen. Das Publikum interessiert sich, glaubt es kann es nachmachen und kann es dann doch nicht. Aber es bringt die Zauberkunst wie- der weiter. Die Zauberei wenn du sie life siehst, ist ein Wunder, aber wenn du sie im TV siehst, wissen die Leute genau, dass es eine „Blue-Box" gibt und sagen: „Das haben's in der „Blue-Box" hergestellt".

Renate: Ist es in der Magie ähnlich wie im Zirkus, dass ein (vermeintlicher) Fehler eingebaut wird, um es spannend zu halten?

Kurt: Bei der Zauberei möchte man das Wunder erleben und will es auch sehen. Natürlich ist es am Allerschöns- ten wenn etwas schief geht, denn dann will es das Pub- likum am liebsten dreimal sehen. Das ist eine Sensation, da sind sie ganz wild drauf. Meine Spezialität ist auch, immer wieder fremde Leute aus dem Publikum zu holen und mit denen ein Kunststück zu machen und sie dadurch zu verblüffen.

Renate: Wo kann man dich bewundern?

Kurt: Ich arbeite unter anderem im „Magischen Cercle Wien", , im 4. Bezirk, Große Neugasse 35, dort haben wir (fast) zweimal im Monat eine Veranstaltung für unse- re Gäste und Freunde. Unter www.mcw.cc, auf unserer Homepage, findet man die Termine der Veranstaltungen, da muss man jedoch sehr schnell sein. Wir sind zum Glück sehr rasch ausverkauft. Es passen auch nur 40 bis 45 Leute rein, es ist sehr familiär, wir machen auch keine Werbung, aber die Leute die zu uns kommen, kommen gerne immer wieder.

Renate: Lieber Kurt Freitag, vielen lieben Dank für die be- zaubernde Plauderei und schade, dass unsere Leserin- nen nicht sehen konnten, wie du mich mit einem kleinen Auszug deiner Kunst vollkommen verblüfft hast. Es war großartig. Ihnen liebe LeserInnen einen wunderschönen, erholsa- men Sommer herzlichst ©Renate Lechner