Ausgabe Nr. 107
Renate Lechner plaudert mit Rosemarie Hodina
Interviewtext
Renate Lechner plaudert mit...
Liebe Augustin-Freunde! Zum Erscheinen dieser Ausgabe jährt sich bereits zum zweiten Mal der Todestag von einem der wirkungsvollsten und bekanntesten Österreichischen Musiker und Maler. Prof. Karl HODINA (7. Juni 1935 - 24. März 2017). Ich habe die Ehre und besondere Freude mich mit seiner lie- ben Ehefrau, Renate Hodina, über sein Wirken und ihr gemeinsames Leben, in ihren privaten Räumlichkeiten zu plaudern und dadurch Ihnen, liebe Leser, Erinnerungen an ein Genie näherzubringen.
R. Lechner: Vieles ist über Prof. Karl Hodina bekannt, u. a. seine besonderen Verdienste und Auszeichnungen (Österr. Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse, Goldene Ehrenmedaille Wiens, Großes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich usw.) um nur einige aufzuzäh- len. Was haben Karl diese Ehrungen bedeutet?
R. Hodina: Sehr viel. Er war nicht eitel, aber das war die Bestätigung für seine Arbeit, dass er gut angekommen ist und ihn die Leute gern' haben. Ich glaub' er ist der einzige Wiener mit 3 lieben Augustin. Bei einer Auszeichnung war einmal die Rede davon, er hat gesagt: „Ich hab zwar drei, aber ich geb' keinen her."
R. Lechner: Ihr hattet 55 glückliche, gemeinsame Jahre, wann und wie habt ihr euch kennengelernt?
R. Hodina: Am 15. März 1962, ich war 19 und er 26. Ein Bekannter hat meine Freundin und mich eingeladen, am Schafberg zu Jazzmusik mit einem „feschen Klavierspieler" vorbeizukommen. Dorthin ist Karli gekommen und hatte einen schlechten Tag. Er war grantig, hat den Mantel nicht ausgezogen, den Hut nicht abgenommen, sich jedoch an's Klavier ge- setzt und super gespielt. D'rauf hab ich dann im Scherz zum Herbert gesagt: „Du entschuldige, wann kommt jetzt der fesche Klavierspieler auf den wir warten?" Hui, da hat sich Karli umgedreht und hat uns fuchsteufelswild ange- schaut, hat sich aber ausgezogen, den Hut runter gege- ben und göttlich gespielt. Im Anschluss haben wir uns öfter verabredet, es war wie ein Blitzschlag. Bam", „Mir hab'ns mein Schrebergarten g'nommen" u. v. m. klingen noch in unser aller Ohren und sind zur Musik- geschichte geworden. Auch seine Liebe zum Jazz soll nicht unerwähnt bleiben. Warst du Inspiration für seine Werke?
R. Hodina: Das glaub ich nicht. Was mir Freude macht, ich hab ihn von Anfang an begleitet. Alles was anders war, außer seiner Malerei und Musik hab ich ihn aus dem Weg geräumt. Ich hab das ganze Management, die Vorarbeit für die Steuer erledigt, die Kinder erzogen, den Haushalt geschupft. Es war ein schönes Leben. Und dann plötzlich bin ich allein. Darum, man soll immer alles sofort machen, nichts aufschieben.
R. Lechner: War Karli vorher krank oder kam sein Tod überraschend?
R. Hodina: Er hatte einen Stent und einen Herzschritt- macher. Im Alter sind ein paar Wehwechen" aufgetreten, aber er war eigentlich immer gut drauf.
R. Lechner: Die letzte Woche vor seinem Tod war im Nachhinein betrachtet fast mystisch.
R. Hodina: Ja, das war eine unheimliche Woche. Am Mon- tag waren wir bei unserem Notar bezüglich des Testa- ments - das haben wir oft aufgeschoben aber bis Dienstag erledigt. Am Mittwoch hatte er mit Peter Havlicek und mit Tini Kainrath noch Aufnahmen zu der CD: „Geborgene Schätze" und er war müde. Peter hat den Vorschlag ge- macht, die CD eine Woche später fertig zu stellen, aber Karli bestand darauf sie zu Ende zu bringen. Donnerstag ist er mit unserem Schwiegersohn noch ins Museum ge- gangen und Freitag waren wir in in Guntramsdorf bei einer Ausstellung. Nachmittags habe ich ihn zu einem Match unserer Enkerl geführt und er wollte danach zu Fuß heim- gehen. Ja, was soll ich sagen, dann wurde ich angerufen, dass er auf der Straße liegt. Es war ein Sekundentod. Für den Karli war es schön so. Im Nachhinein betrachtet, viel- leicht hat er es doch gespürt, denn er ist einer Seitengasse verstorben, ich denke er wollte nicht zu Hause sterben. Er wusste, ich könnte hier nicht mehr wohnen. Ich hätte
R. Lechner: Bist du oft zu seinen Veranstaltungen mitge- gangen?
R. Lechner: Von meiner Mutter stammt ein Text mit dem
R. Hodina: Ja, wie die Kinder noch kleiner waren sind wir Titel: „Schau dir deine Freunde gut an". Wie viele der „guten zu Frühschoppen mitgegangen, aber später hab ich ihn Freunde", melden sich noch? zwar überall hingeführt, er wollte keinen Führerschein und
R. Hodina: Es gibt viele die sich nicht mehr melden. Einer nach Haus' ist er meistens mit dem Taxi gefahren. Es ist der immer kam, das war Zipflo (Weinrich) er hat am Be- wie wenn einer in die Arbeit geht, da geht man ja auch gräbnis gespielt, leider ist er jetzt auch verstorben. Fifi nicht mit. (Pissecker) und Peter Havlicek. Rudi Koschelu spielt nach
R. Lechner: Ihr habt 4 Töchter, 7 Enkelkinder und schon wie vor mit dem Tommy Hojsa beim Heurigen „Herrgott 3 Urenkerl. War Karl ein richtiger Familienmensch? aus Sta" und sie machen das sehr gut. Das ist von den
R. Hodina: 1000 Prozent. Egal was war, seine Familie Musikern der harte Kern der verblieben ist. hätte er nie aufgegeben. Sie sind sehr tüchtig geworden.
R. Lechner: Magst du uns ein, zwei lustige Anekdoten von Karli war sehr stolz auf alle. Und seine Urenkerl hat er Karl schildern? auch noch erlebt.
R. Hodina: Gerne. Karli war zur Sendung: „Bitte zu Tisch"
R. Lechner: Die unvergesslichen Lieder wie z. B.: ,Hergott eingeladen, dazu muss ich sagen, er hat nicht einmal ge- aus Sta", „l liassat Kirschen für di wachsen", „'s Vogerl am wusst wo die Küche ist. Und die haben ihm das wirklich
schön, von links nach rechts, wie er es nehmen muss usw. aufgelegt und alles mit ihm durchbesprochen. Gefüllte Avocados, also nichts Aufregendes. Er hat schön von links angefangen, und hat dann nach jeder Arbeit den Kochlöffel abgeschleckt und die haben ihn lassen. Keiner hat ihm gesagt, dass er das nicht machen soll (lacht). Dann, um die Weihnachtszeit wurde er von der Nieder- österreichischen Zeitung gebeten, ob's vorbeikommen dürfen, Kekserl backen. Er hatte keine Idee vom Kekserl backen. Hab' ich zu unserer Lisi gesagt: „Komm' mit dem Papa Kekserl backen". Sie haben auch schön begonnen, dann hat er den Ausstecher weggegeben und hat Figuren geformt - er hat gleich eine richtige künstlerische Arbeit draus gemacht, denn die ausgestochenen Kekserl wollte er nicht haben. Aber auch die waren zufrieden mit ihm. Wir haben schon viel gelacht.
R. Lechner: Karl hat auch eine Raststätte in Arnwiesen bei Gleisdorf entworfen. Ein richtiges Gesamtkunstwerk, er hat damals bereits Signale gesetzt. Wie kam es dazu?
R. Hodina: Er wurde von der WIGAST angesprochen. Das Projekt hat ihm viel Kraft gekostet. Weil das doch immer ca. 3 Stunden Fahrzeit waren, dann hat etwas mit dem Bauen nicht geklappt usw., das war ein anderer Stress. In Pre- buch hat er eine Feuerwehr entworfen, mit einer Kapelle, ich glaub' er wäre ein guter Baumeister geworden.
R. Lechner: Konnte Karl gut mit Kritik umgehen?
R. Hodina: Es gab kaum einen Grund zum Kritisieren. Aber wenn Kritik da war, ist er nicht gleich damit zurecht- gekommen. Ansonsten war er überhaupt nicht kompli- ziert, er hat mit jedem geredet, das war ihm egal ob das ein Minister war oder unser Briefträger. Er war überhaupt nicht arrogant.
R. Lechner: Das sagt man ihm aber nach...
R. Hodina: Ich weiß nicht wie er bei der Musik war, beim Spielen. Er hat mir schon ab und zu wenn er nach Haus' gekommen ist erzählt, heut' war so ein Lärm, dass ich g'sagt hab: „Horcht's amoi zu, i pack jetzt die Harmonika ein, und fahr heim, wann's eh so viel zum Erzähl'n habt's" ... dann war's ruhig. Ich so: „Karli das kannst ja ned ma- chen" und er: „Ich spiel doch nicht für die Luft. Die unter- halten sich alle, machen Lärm i gib da meine ganze Seele hinein und es horcht mir keiner zu. Das geht ned". Da war er vielleicht a bisserl arrogant, aber daheim ganz sicher nicht. Er war natürlich zu Hause ein anderer Mensch als auswärts. Er hat 2 Leben gehabt.
R. Lechner: Mein Stiefvater, Franzl Fasching, hat an dem Buch: „Karl Hodina, ein Maler aus Wien" mitgearbeitet. Franzl hat oft seine Genauigkeit bewundert.
R. Hodina: Ja, was seine Arbeit betroffen hat, war er ein Perfektionist. Das Buch hat einen Staatspreis bekommen. Er hat z. B. wenn er bei einem Bild gesessen ist, ALLES rundherum vergessen. Ich hab' ihn gefüttert und er hat weitergemalt. Dann aus wie aus heiterem Himmel: „Kriag'n ma heut' nix zum Essen?" Er war weg, er war in der Landschaft die er gemalt hat drinnen oder ich weiß es nicht, er war so konzentriert, dass er nicht einmal bemerkt hat, dass ich ihn gefüttert hab.
R. Lechner: Karl war ja mit Leib und Seele ein Ottakringer, wie schaut es z. B. mit einer Gedenktafel beim Heurigen aus usw.?
R. Hodina: Ja natürlich sein Herz war immer in Ottakring. Er war ein echter Ottakringer. Wir bekommen im Frühjahr in Leopoldsdorf einen „Professor Karl Hodina-Weg" und ich würd mir wünschen, dass sich die Ottakringer auch etwas einfallen lassen. Er hat sehr viel gemacht für Otta- kring. Schon allein mit seinem „Hergott aus Sta". Ich hab mir gedacht, ob ich rund um Karls Geburtstag einen Früh- schoppen organisiere. Wo Rudi und Tommy hauptsäch- lich Lieder vom Karli spielen. Eben einen Gedenkfrüh- schoppen.
R. Lechner: Am 1. Mai 2019 findet um 19.30 Uhr im Konzert- haus ein Gedenkkonzert unter dem Titel „Du nur alla', in memoriam Karl Hodina" (Details zu der Veranstaltung finden Sie gesondert in dieser Ausgabe) statt. Das wird sicher eine seelische Herausforderung für dich werden.
R. Hodina: Für mich ist es schwer, ich habe bis jetzt noch keine Platte oder CD von ihm gespielt. Auf meinem Handy habe ich ein paar lustige Sachen, wo er Gedichte liest wo wir lachen, damit ich seine Stimme habe. Aber ich muss irgendwann anfangen und am 1. Mai ist der geeignete Zeitpunkt dafür. Liebe Renate, ich danke dir herzlichst für das gefühlvolle und intime Gespräch über deinen/unseren Karli. Du hast es so schön formuliert: „Ich will nur, dass mein Karli nicht vergessen wird", und das wird sicher nicht geschehen, er bleibt uns unvergessen. ©Renate Lechner