Hilli Reschl

Ausgabe Nr. 10

Renate Lechner plaudert mit Hilli Reschl

OCR-Interviewtext mit erhaltener gedruckter Fassung.

Interviewtext

Renate Lechner plaudert mit...

Liebe „Augustin-Freunde"'! Diesmal hatte ich die Gelegenheit, mit der bekannten Schauspielerin und Sängerin HILLI RESCHL santes und herzerfrischendes Gespräch zu führen. Ich hoffe, auch Ihnen damit eine kleine Freude zu machen:

RENATE: Dem Buch von Hans Hauenstein „Interpreten

RENATE: Wollten Sie Ihre Laufbahn ganz aufgeben? des Wienerliedes" habe ich entnommen, daß Sie mit

Hilli RESCHL: Ich hab' immer das Gefühl gehabt, es drei Jahren schon Wienerlieder gesungen haben. ist nicht aus, ich hab' ja freiwillig aufgegeben, aber Stimmt das? mein Agent hat damals gesagt: „Mein Gott, Frau Reschl,

Hilli RESCHL: Ich komme aus einer musikalischen Sie sind ja viel zu jung, daß Sie aufhören." Wenn Familie. Mein Vater hat fünf Instrumente gespielt und damals eine dreißig war, hab ich g'fragt: „Was, die Samstag oder Sonntag waren wir bei meinen Groß- Alte spielt auch noch Soubrette?", dabei waren das eltern. Dort war ein Heurigengarten, da haben immer junge, fesche Frauen, die herrlich gesungen haben. die Schrammeln gespielt und Volkssänger sind auf- Wie ich dann so dreißig, fünfunddreißig war, hab' ich getreten und wir Kinder haben diese Lieder nach- g'sagt: „Nein, lieber Gott, bitte, alt muß ich werden, gesungen. Wenn's g'sagt haben: „Hilli, sing' ", haben's aber laß mich keine alte Soubrette werden, ich will mich auf den Tisch gesetzt und ich hab' g sungen rechtzeitig die Kurve kriegen. „Hopf hoch ihr Weanaleut' ", weil Kopf hab' ich noch

RENATE: Wie kamen Sie zum Seniorenclub? nicht sagen können. Dann hab' ich 10, 20 Groschen

Hilli RESCHL: Zufällig. Mein Sohn war damals 5 oder bekommen oder Zuckerl. Das war ein Spaß und die 6 Jahre alt und wir machten einen Ausflug in den Wie- Erwachsenen haben sich amüsiert. nerwald, sind am Rückweg durch Tulinerbach-Preß-

RENATE: Ist dort Ihre Liebe zum Wienerlied entstan- baum, wo Peter Dörre, der damalige Regisseur, ein den? Landhaus hat. Mein Mann und ich kannten ihn sehr gut.

Hilli RESCHL: Unbedingt, ja. Eigentlich müßte ich Es war 1966 oder 1967 an einem Nachmittag und obwohl jedoch sagen, ich bin nicht so eine typische Wiener- wir nie unangemeldet auf Besuch kommen dachte ich, lieder-Sängerin. Ich komm' von der Operette, war wir wollen nur kurz vorbeischauen. Dort trafen wir 17 Jahre lang Operettensoubrette und hab' natürlich Prof. Hagen, den ich nicht gekannt hatte, und die bei- zwischendurch immer wieder Wienerlieder gesungen, den studierten, wen sie als Kellnerin für den Senioren- aber es war nicht meine Hauptdomäne. club nehmen sollen.

RENATE: Welchen Beruf haben Sie erlernt?

RENATE: Gab's da den Seniorenclub schon?

Hilli RESCHL: Ich bin gelernte Schauspielerin mit Reife-

Hilli RESCHL: Nein, er war im Entstehen. Unser Besuch prüfung. Ich war bis zur 6. Klasse in der Mittelschule war an einem Sonntag und am Dienstag waren schon und bin damals schon parallel ins Konservatorium die Aufnahmen. gegangen.

RENATE: Waren Sie früher schon im Fernsehen prä-

RENATE: Gibt es Lieblingsrollen von Ihnen oder hat es sent? welche gegeben?

Hilli RESCHL: Ich hab' vorher schon 10 oder 12 Fern-

Hilli RESCHL: Ja, eine meiner Lieblingsrollen ist die sehsendungen gemacht, da war einmal „Oh du süße „Pepi" in „Wiener Blut", eine Superrolle, wo man wirk- Weana Musi" mit dem Emmerich Arleth, noch in lich zeigen kann, was man drauf hat. Ich war eine Tanz- schwarz-weiß. Da hab' ich die Luise Montag, eine Volks- soubrette, ich hab' sämtliche Lehár- oder Kálmán- sängerin gespielt und die Leni von „Hoch und Spleeni" Operetten gespielt. in Deutschmeisteruniform, was ich natürlich wahnsinnig

RENATE: Sie haben am Theater tolle Rollen gespielt gerne gemacht habe. und mit ganz berühmten Kollegen zusammengearbeitet.

RENATE: Hat Sie Prof. Hagen gleich gemocht? Würden Sie uns einige aufzählen?

Hilli RESCHL: Ja, er ist irgendwie gleich angesprungen

Hilli RESCHL: Ich möchte nur einige aufzählen, zum und hat g'sagt: „Was machen'S denn, wer san'S denn Beispiel: Johannes Heesters, Peter Weck, Helmut Loh- und lernen Sie g'schwind? und ich hab' mir am Thea- ner, Rudolf Carl, Fritz Imhof, Max Böhm, Martha Eggert, ter wirklich viel Geld verdient mit dem Einspringen, ich Jan Kiepura und viele mehr. lerne sehr schnell. „Na ja", hat er g'sagt, wir haben

RENATE: Haben Sie jemals daran gedacht, Ihren eine neue Sendung, wir werden sehen, was draus wird." erlernten Beruf weiterzugeben? Tanz- oder Schauspiel- unterricht?

RENATE: War der Seniorenclub für längere Zeit pro- grammiert?

Hilli RESCHL: Ja, ich hab' schon spekuliert damit, aber

Hilli RESCHL: Drei- bis fünfmal war er programmiert, wissen Sie, erstens einmal hab' ich geheiratet, meinen jetzt haben wir zirka die 1110. Sendung. Im Dezember Sohn bekommen - und ich hab' mir das Kind so wird es 26 Jahre, daß ich Serviererin bin im Senioren- gewünscht - da hab' ich eigentlich alles aufgegeben. club.

RENATE: Wird mit dem neuen Intendanter der Senio- renclub wackeln?

Hilli RESCHL: Nein, es ist schon fix, daß wir bleiben. Es kann nur sein, daß der Sendeplatz verschoben wird, aber an sich ist schon fix, daß wir bleiben.

RENATE: Wie war es, als Alfred Böhm aufhörte, den liebenswerten Herrn Ober zu spielen?

Hilli RESCHL: Wir haben ihn wirklich auf den Knien, händeringend, gebeten zu bleiben, aber es war momen- tan ein Spleen von ihm, glaub' ich. Vielleicht, weil man so abgestempelt ist. Natürlich, ich bin die Frau Anni vom Seniorenclub und er der Herr Ober. Aber sind wir doch ehrlich, das ist ja irgendwie fast wie ein Titel, wie ein anderer der Herr Doktor oder der Herr Ingenieur. Es tut ihm sicher schon leid, aber es ist nicht mehr rückgängig zu machen. Er wollte nicht mehr.

RENATE: Wie wurde eigentlich der neue Ober, Herr Rudolf, aufgenommen?

Hilli RESCHL: Sehr gut. Am Anfang haben's schon g'sagt: „Schad', daß der Herr Böhm nicht mehr spielt." Aber jetzt sagn's oft, der Neue ist lieb, der macht es gut." Er ist natürlich anders als Alfred Böhm. Rudolf Buzolich ist ein ausgezeichneter Schauspieler, ein ganz lieber Kollege. Er hat nicht den Schmah, den der Böhm g'habt hat, vielleicht ein bißerl exakter beim Lernen. Der Herr Rudolf ist schon akzeptiert beim Publikum. Das ist eigentlich das größte Kompliment für ihn, weil nach Alfred Böhm ist es wirklich nicht leicht, beliebt

RENATE: Werden Sie im Privatleben oft als Frau Anni angesprochen?

Hilli RESCHL: Aber sicher! Oft fällt ihnen mein Name gar nicht ein, aber die Frau Anni wissen's alle. „Frau Anni, was kriegen's denn?"

RENATE: Bringt das Vor- oder Nachteile?

Hilli RESCHL: Ich habe natürlich viele Vorteile, man wird schneller oder besser bedient, es hat aber auch Nachteile. Ich hab' mir zum Beispiel abgewöhnt, in die Sauna zu gehen, weil wenn ich pudelnackert dasteh' und hab' die Haar' runterhängen - „Jössas, Frau Reschl" - das muß ich nicht unbedingt haben. Man ist halt nie unbeobachtet.

RENATE: Trifft sich die Seniorenclubcrew auch privat?

Hilli RESCHL: Wir sind wie eine Familie. Es werden Geburtstage gefeiert, wir haben eine extra Weihnachts- feier privat für uns, wo auch alle Referenten kommen, weil die seh' ich oft drei Monate oder länger nicht. Wir mögen uns alle so, das ist wirklich selten. Wir haben ein großes Glück, daß wir alle so friedlich und neidlos

RENATE: Mir fällt auf, daß in letzter Zeit wenig Wie- nerlieder gebracht werden, sondern oft Chansons?

Hilli RESCHL: Weil wir die Sendung für ganz Öster- reich machen. In den ersten Jahren haben wir wirklich oft Wienerlieder gesungen und da haben sich die Bundesländer aufgeregt.

RENATE: Aber ich glaube, heute braucht sich keiner aufregen. Heute ist es doch schon umgekehrt. Es wäre wichtig, daß man zumindest eine Sendung hätte, die Wien repräsentiert, weil im Musikantenstad usw. wer- den die Bundesländer zur Genüge bedient.

Hilli RESCHL: Nur ist der Seniorenclub leider auch nicht das geeignete Forum dazu.

RENATE: Warum nicht? Gerade für Senioren gibt es kein angepaßtes Programm.

Hilli RESCHL: Im Wiener Sender wird überhaupt nie ein Wienerlied gespielt. Da kann man ja noch eher Blue Danube hören, da werden wenigstens Wiener Wal- zer für Auslandsösterreicher gesungen oder viel Strauß und viele Operetten. Aber im Wiener Sender über- haupt nichts.

RENATE: Ich habe gelesen, daß Herr Weiß besonders darauf stolz ist, daß er Radio Wien derart umgestal- tet hat, daß man kein Wienerlied mehr hört und daß man aber die Edition der Kremseralben mit Zednik und Berry nachproduziert, also so ein schlechtes Geschäft dürften die Wienerlieder für den ORF ja doch nicht sein?

Hilli RESCHL: Seit Karl Grell weg ist, ist es aus mit den Wienerliedern.

RENATE: Es gibt also keine Ansprechperson im ORF, wenn man sich einmal ein Herz faßt? Da stößt man auf taube Ohren.

Hilli RESCHL: Ich kenn' viele Leute, die sagen, ich höre nur Niederösterreich oder Burgenland, weil da werden noch Lieder in deutscher Sprache gespielt.

RENATE: Wir haben einen Brief von Radio Wien, von Herrn Bobby Sperling, bekommen, daß das Wienerlied eine vernachlässigbare Minderheit hört und daß man darauf keine Rücksicht nehmen muß. Ich hab' in Form eines Artikels geantwortet, daß wir, die es gerne hören, uns absolut nicht zu einer vernachlässigbaren Minder- heit zählen. Außerdem hat der ORF die Verpflichtung, MINDERHEITEN auch zu Wort und Lied kommen zu las- sen. Speziell WIENER KULTURGUT (tür andere Min- derheiten gibt es Sendungen)!

Hilli RESCHL: Zumindest sollten sie, was auch früher war, am Samstag oder Sonntag eine halbe Stunde ein- planen. Wie seinerzeit bei Conrads, Arleth, Heider oder Hodina usw.

RENATE: Sie waren 12 Jahre die Partnerin von Hans Lang, der viele Erfolgstitel für Sie komponierte, darun- ter auch das Lied, mit dem Sie so besonders erfolg- reich sind: „Wenn wir nicht die Omi hätten".

Hilli RESCHL: Die „Omi" ist schon mein Markenzei- chen! Viele liebe Briefe habe ich bekommen und in jeder Veranstaltung muß ich dieses Lied bringen. Viele Leute verlangen eine Schallplatte von mir, aber leider ist sie ausverkauft und wird nicht nachgepreßt.

RENATE: Damit komme ich gleich ein wenig zu Ihrem Privatleben. Sind sie schon Omi?

Hilli RESCHL: Mein Sohn ist 31 und hat keine Kinder, aber was nicht ist, kann ja noch werden.

RENATE: In welchem Sternzeichen sind Sie geboren und was machen Sie zum Ausgleich?

Hilli RESCHL: Zum Ausgleich: viel lesen, Sport mach' ich auch noch sehr gerne, aber schon ein bißerl schaumgebremst. Jetzt mach' ich täglich meine fünf Tibeter, das sind tibetanische Jogaübungen, von denen ich sehr begeistert bin, schwimmen, radfahren und eis- tanzen und im Sommer bin ich im Haus draußen und da habe ich meine Beete usw. Sternzeichen Widder, ich bin am 13. April geboren.

RENATE: Lustig, ich bin am 12. April geboren. Frau Reschl, wenn man solange auf der Erfolgsleiter ganz oben ist, was wünscht man sich?

Hilli RESCHL: Ich bin zufrieden mit dem, was ich erreicht habe und dankbar dafür. Ich nehme das nicht als selbstverständlich. Es gehört eine große Portion Glück dazu und Disziplin, denn wenn man auch einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat, ist man auch verpflichtet, etwas zu leisten.

RENATE: Liebe Frau Reschl, es war wunderschön mit Ihnen zu plaudern und viele, viele Fragen bleiben offen, weil mein Interview leider seitenbegrenzt ist. Ihre natürliche Art trotz ihrer erfolgreichen Karriere begei- stert mich und das Publikum. Herzlichen Dank