Rudi Malat

Ausgabe Nr. 11

Renate Lechner plaudert mit Rudi Malat

OCR-Interviewtext mit erhaltener gedruckter Fassung.

Interviewtext

Renate Lechner plaudert mit...

Liebe „Augustin-Freunde"! Diesmal habe ich die Freude, Ihnen einen Künstler zu präsentieren, der sich verdienstvoll im In- und Ausland für die Wiener Musik einsetzt. RUDI MALAT, ein hervorragender Musiker und Repräsentant dieses Genres.

RENATE: Herr Malat, Sie haben 1986 die Gesellschaft

Rudi MALAT: Eine Großveranstaltung, wo man auf brei- „Freunde der Wiener Musik" gegründet und sind als ter Basis mit Medien rechnet, ist eine andere Sache als Geschäftsführer und Generalsekretär tätig. Worin be- das, was in den Vereinen im Extrazimmer gemacht stehen Ihre Aufgaben? wird. Mir geht es um die Sache, egal ob ich jetzt da mit-

Rudi MALAT: Meine Aufgaben sind verbunden mit den spiel' oder nicht. Aber da kommen die Streitereien über Zielen der Gesellschaft, die sich mit der Förderung die Programmgestaltung. Bei einer Großveranstaltung und Erhaltung der Wiener Volksmusik befaßt, um diese braucht man Qualität und Zugpferde. möglichst auch für die Zukunft zu sichern.

RENATE: Warum, glauben Sie, haben die Medien, spe-

RENATE: Wie funktioniert das? ziell was die Wiener Musik oder das Wienerische im allgemeinen betrifft, ein derartiges Desinteresse?

Rudi MALAT: Wir versuchen ohne Subventionen, durch eigene Kraft, Veranstaltungen durchzuführen, wo wir

Rudi MALAT: Kann ich Ihnen sagen. Die althergebrach- traditionelle Wiener Musik spielen, wie auch Musik der ten Personen oder Manager sind alle abgetreten, die Zeitgenossen. Wir laden auch Wiener Mundartdichter, komplette neue Generation ist an den Schalthebeln. Sängerinnen und Sänger ein und haben bei der Gestal- Die haben eine wesentlich andere Ansicht und andere tung unserer Programme viele Variationsmöglichkeiten. Einstellungen. Natürlich versuchen wir auch die Jugend beziehungs-

RENATE: Sie haben die Wiener Musik in Konzertsäle weise den Nachwuchs - wenn es überhaupt möglich der ganzen Welt gebracht, wie wird unsere Musik inter- ist - zu fördern. national aufgenommen?

RENATE: Meinen Sie damit, daß sich die Jugend nicht

Rudi MALAT: Da müßte man sich jetzt in euphorischen dafür interessiert? Lobpreisungen ergehen - wenn ich das so sagen kann.

Rudi MALAT: Interessieren würde sie sich schon, es Vielleicht ganz kurz von meiner Warte ausgedrückt, wären auch die Lehrer da, aber jetzt kommt das Pro- diese Kämpfe, die ich da in Wien hab', wo ich schon blem: Es nützt nichts, wenn ein junger Menschen die meisten offiziellen Stellen beleidigte, kennen wir im Gitarre, Harmonika oder Gesang studiert, sich mit dem Ausland nicht. Wienerlied befaßt, denn dann müßte er auch die Mög-

RENATE: Welche Ihrer vielen Auslandstourneen waren lichkeit haben, sich irgendwo zu produzieren oder auf- am beeindruckendsten? zutreten und das ist schwierig. Wie soll man einem

Rudi MALAT: China! Das haben wir in Eigenregie orga- jungen Menschen das schmackhaft machen. Wenn er nisiert und es war das erstemal überhaupt, daß Wie- nur im Kabinett musiziert, ist es zuwenig. Vor Publikum ner Musik in dieser Form nach China gekommen ist. müßte er die Möglichkeit haben, sein Können zu zei- Nur die Philharmoniker waren einmal vor 20 Jahren gen. Applaus regt an und gibt neue Kraft zum Weiter- dort. machen. Wenn dies nicht der Fall ist, wird er irgend- wann einmal sagen, das bringt nichts und wendet sich

RENATE: Wie wurde die Wiener Musik aufgenommen, einer anderen Musikrichtung zu. erzählen Sie uns bitte ein bißchen darüber.

RENATE: Die Frage ist vielleicht etwas heikel, aber

Rudi MALAT: Man muß natürlich die „Ohrwürmer" spie- könnten Sie sich vorstellen, daß sich die vielen kleinen len, aber die haben beim Radetzkymarsch genauso Vereine, die sich verdienstvoll ums Wienerlied bemühen, mitgeklatscht, wie da bei uns. Wir haben in den großen eventuell zu einem großen und dadurch medienspezi- Konzertsälen gespielt, haben zwei Riesen-Fernsehauf- fisch wirksamen Verband entwickeln? zeichungen gemacht, die bereits viermal in ganz China gelaufen sind. Man kann sich hier gar nicht vorstellen,

Rudi MALAT: Soweit will ich gar nicht gehen, das würde ich überhaupt nicht ins Auge fassen. Die Debat- was das bedeutet, wenn man sagt viermal in ganz China. ten wären gigantisch. Nur was ich wollte, ein- oder zweimal im Jahr eine Gesamtgroßveranstaltung der

RENATE: Warum besteht nicht die Möglichkeit, dies wichtigsten Vereine. Ganz spielend könnte man das nach Österreich zu transferieren und zumindest Konzerthaus füllen, überhaupt kein Problem. Nicht weil 20 Minuten einen Ausschnitt von dem zu bringen, was ich so gut bin, aber wenn ich die gesamte Organisation Wiener im Ausland geleistet haben? übernehme, möchte ich dann auch das Programm

Rudi MALAT: Ich habe 12 Videokassetten mitgebracht, gestalten dürfen. die sind deponiert beim ORF am Küniglberg. Irgend-

RENATE: Die Idee ist doch sehr gut und für die gesamte wann war ein kleiner Ausschnitt in „Seitenblicke", Wiener Musik sinnhaft. Woran scheitert das? irgendwann in Kultur" ganz kurz. Das war alles.

ROMANTIKHEURIGER - KELLERSCHENKE Familie GILLINGER 2320 Schwechat, Kellerberg, Telefon 0222/707 13 51 Geöffnet vom 15. März bis 15. November täglich von 14.30 bis 23.30 Uhr - Kein Ruhetag Witk Complimenta Samstag, Sonn- u. Feiertag von 14 bis 24 Uhr In den Sommermonaten Mai, Juni, Juli und August an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr geöffnet Erlesene Hauerweine Reichhaltiges warmes und kaltes Heurigenbufffet BRIGITTE UND HELMUT GILLINGER Wir freuen uns auf Ihren Besuch! In China hab' ich einen Vortrag gehalten an der Musik- hochschule, der größten Musikhochschule der Welt, da waren 8000 Leute und unter anderen Professoren. Da haben wir Diskussionen gehabt, die Hörer wußten mehr über die Wiener Musik, als man annehmen würde. Das war China. In Japan sind wir ja öfter. Jetzt im Herbst fahren wir wieder hin. Dort ist es ja sowieso gigantisch. Das kann man sich nicht vorstellen, das Gefühl, wenn man mit 5 Mann auf der Bühne steht. Herrliche Akustik und da toben 6000 Leute. Da ist man natürlich wieder euphorisch, wenn man nach Wien zurückkommt.

RENATE: Wie wird man nach solchen internationalen Erfolgen mit der österreichischen „Ignoranz" auf die- sem Gebiet fertig?

Rudi MALAT: Das macht die Musik und wir lassen uns sowieso nicht davon abbringen. Gottseidank gibt es immer Gleichgesinnte, die auch am selben Strang ziehen.

RENATE: Sie haben es mit sehr viel Eigeninitiative geschafft, den ORF von der Sendereihe „Wienerisch am Vormittag" zu überzeugen. Wie ist Ihnen das gelun-

Rudi MALAT: Ich hab' schon ein Jahr lang verhandelt und dann ist es still geworden. Einmal hatten wir eine große Veranstaltung - eine Weintaufe - im Großen Sendesaal. Die hat dem Intendanten so gut gefallen, daß er mich einlud, mit Vorschlägen in den ORF zu kommen. Ich sagte: „Gerne, Herr Intendant, nur wenn Sie in Ihrer Schublade nachschauen, werden Sie sehen, daß ein kompletter Plan über diese Art der Musik vor- liegt. Zwei oder drei Tage später hat er mich rufen lassen und es hat ihm sehr gut gefallen. Aber das beste kommt noch: Machen muß alles ich. Vom ORF wird nichts bezahlt. Es gibt weder Honorare noch sonst was.

RENATE: Darf ich das so verstehen, daß Sie das gesamte Risiko tragen?

Rudi MALAT: Aber sicher, die Leut' glauben immer, da muß der Schilling rollen. Ich muß von der Garderobe- frau bis zum Billeteur alles bezahlen, ich muß die Ein- trittskarten, die Plakate drucken lassen usw. Vom ORF krieg' ich keinen Schilling.

RENATE: Sind diese Veranstaltungen kostendeckend?

Rudi MALAT: Sowieso nicht. Ich hab' jetzt bei den ersten sechs Veranstaltungen 65.000,- S Verlust.

RENATE: Ich habe gehört, Sie haben am 18. April, im Alten Rathaus, eine außergewöhnliche Veranstaltung?

Rudi MALAT: Ja, ein Sensationsgastspiel! Christiane Hörbiger und Gerhard Tötschinger werden im Rahmen unserer konzertanten Wiener Musik Lesungen halten. Von diesen vielbeschäftigten Künstlern ein besonderes Entgegenkommen!

RENATE: Natürlich für unsere Leser, Privates, Hobbys, Ausgleich?

Rudi MALAT: Musik ist mein Ausgleich, das war immer mein Ausgleich. Früher war ich im Beruf sehr ange- strengt. Ich hab' immer eine 100-Stunden-Woche gehabt. Musik war das ganze Leben mein Hobby. Es hilft einem über vieles hinweg.

RENATE: Was kann Sie so richtig auf die Palme brin- gen?

Rudi MALAT: Die Einstellung von den Leuten, die an den Schalthebeln der Kultur sitzen. Und wenn's mich blöd anreden. So: „Was wolln'S mit der Wiener Musik?" Was soll ich da für eine Antwort drauf geben?

RENATE: Eine Frage in eigener Sache. Wie gefällt Ihnen unser „LIEBER AUGUSTIN"?

Rudi MALAT: Der ist meiner Meinung nach in den letz- ten Jahren einer der größten Erfolge. Zum Propagieren der Wiener Musik und deren Interpreten.

RENATE: Herr Malat, Sie spielen mit Ihren Musikern in so vielen verschiedenen Besetzungen, von den Origi- nal Malat-Schrammeln bis zum Alt-Wiener Konzertduo. Aus Platzmangel ist es mir nicht möglich, alle Aktivitä- ten aufzuführen. Können Interessenten von Ihrer Gesellschaft „Freunde der Wiener Musik" Informations- material anfordern?

Rudi MALAT: Selbstverständlich gerne. Die Anschrift: A-2103 Langenzersdorf, Praunstraße 8, Tel. 02244/28 40, Fax 02244/27 17.

RENATE: Lieber Herr Malat, abschließend möchte ich mich recht herzlich für das Gespräch und Ihre Offen- heit bedanken. Wir wünschen weiterhin viel Erfolg!