Ausgabe Nr. 12
Renate Lechner plaudert mit Emmy Werner
Interviewtext
Renate Lechner plaudert mit...
Liebe „Augustin-Freunde"! In der Sommerausgabe unserer Zeitung habe ich die Freude, EMMY WERNER, risikofreudige Volkstheater- Direktorin, ein wenig über's Wienerlied zu befragen. Emmy Werner ist es immer ein Herzensanliegen, österreichi- sche Autoren auf ihren Spielplan zu setzen und zu fördern. Schon ihr Vater, Hans Werner, der viele unvergeß- liche Wienerlieder textete, unter anderem Vorstandsmitglied und Ehrenmitglied der AKM war, hat sich immer erfolgreich für Österreichs Urheber eingesetzt.
RENATE: Frau Werner, ich war von der Veranstaltung serl komm her", „Mondschein-Polka", ,Petersdorfer- im Volkstheater JUSTAMENT BLAU sehr beeindruckt Marsch", „Laß das, laß das sein" und viele andere... und wollte wissen, was Sie veranlaßte, dem Wienerlied
RENATE: Hören Sie selbst gerne Wienerlieder? diesen schönen Rahmen im Volkstheater zu geben?
Emmy WERNER: Es war eigentlich bei uns explizit ein
Emmy WERNER: Nur wenn sie unsentimental vorgetra- gen werden. Wenn's ehrlich und sehr schlicht vor- Wunsch der Schauspieler. Wir haben uns gesagt, am getragen wird, dann hab' ich's gern. Neujahrstag will eigentlich niemand gerne ins Theater gehen, weil alle müd' sind. Seit einigen Jahren hatten
RENATE: Frau Werner, würden Sie unseren Lesern ein wir Konzerte am Neujahrstag. Einmal den Ludwig bißchen über Ihren Werdegang erzählen? Hirsch, einmal ein Konzert des Opernballorchesters
Emmy WERNER: Ich bin in einer sehr künstlerischen Wien, es waren einige. Dann hab' ich gesagt, jetzt Familie aufgewachsen. Jeder hat irgendwas mit Kunst machen wir einmal selber etwas und wir haben uns zu tun gehabt. Bis in die Großelterngeneration gibt's nur hingesetzt und eigentlich sehr schnell, zwischen Weih- künstlerisch tätige Menschen. Daher war für mich nach nachten und Neujahr, mit einem unendlichen Arbeits- der Matura klar, wo ich bereits in der Schule dauernd einsatz, dieses Programm erarbeitet. Natürlich wollte Schülertheater gemacht hab', für mich gibt's nichts ich auch meinem Vater eine kleine Referenz erweisen anderes als Theater. Ich stehe dem Theater mit einer und vor allem meine Mutter freut sich so wenn sie's rauhen Zärtlichkeit gegenüber, das ganze Geheimnis- hort. volle, das es sonst für die Menschen hat, hat es für
RENATE: Sie erwähnten bei der letzten Vorstellung von mich nicht gehabt. JUSTAMENT BLAU, daß es eine 2. Folge im Volks-
RENATE: Warum haben Sie Ihre Karriere als Schau- theater geben wird. Waren Fortsetzungen geplant? spielerin aufgegeben?
Emmy WERNER: Nein, aber nach der 1. Vorstellung
Emmy WERNER: Für mich war die Schauspielzeit kam die ganze Presse, was wir nicht erwartet haben. eigentlich eine Zeit, die mir insofern nicht gefallen hat, Wir hatten so tolle Kritiken, daß wir dann siebenmal weil ich nicht gerne im Rampenlicht stehe. Sonst hatte wiederholt haben und zwar immer sehr gut besucht. ich weitergemacht, weil ich viel Erfolg hatte. Mich Wir haben auf Grund des Erfolges eine Außenbezirks- haben immer mehr die Produktionen interessiert und tournee in einer veränderten kleineren Form vor, wo selbst etwas auf die Beine zu stellen. wir zirka dreißigmal spielen können. Hier ins Haus kommt es sicher erst wieder in der zweiten Jahres-
RENATE: Wie kamen Sie zum Volkstheater? hälfte, also nach dem Neujahr.
Emmy WERNER: Nach sehr schwierigen Jahren, auch
RENATE: Inszenieren Sie selbst? mit Fernsehen, Funk und kleinen Theatern, bin ich zu Stella Cadmon im legendären Theater der Courage
Emmy WERNER: Da darf man nicht viel inszenieren, gekommen. Sie wollte auch, daß ich einmal ihre Nach- das wäre ganz falsch. Man muß es so machen wie es folgerin werde, das wollt' ich aber nicht abwarten. Ich den Leuten einfällt und selbst gefällt. Ich habe nur die hab' mich darum um ein eigenes Theater gekümmert, ordnende Hand. Wann kommt was - wann tritt wer auf das war das Theater in der Drachengasse und dann - wann sagt wer was dazwischen - wie schaut's mit ist auch die Courage gesperrt worden und ich habe die dem Bühnenbild aus. Ich glaube, das genügt. Noch beiden Theater zusammengeführt. Als eines Tages das die Länge und vielleicht die Zugaben festlegen. Angebot kam, daß große Volkstheater zu leiten, mußte
RENATE: Wir haben eine weitläufige Gemeinsamkeit. ich's machen. Auch wenn ich sagen kann, daß dies Ihr Vater und meiner haben gemeinsam Texte wie: „Wir nicht ein großer Herzenswunsch war. Aber es gibt Ange- hab'n die Straußbuam" oder mit meiner Mutter „Mit Dir bote, wie heißt es so schön: Die darf man im Leben möcht i alt werden", „Schau Dir Deine Freunde gut an" nicht zurückweisen! geschrieben. Wir wollen unseren Lesern natürlich noch
RENATE: Ist es für eine Frau besonders schwer, sich einige Werke von Hans Werner aufzählen: in der Position der Theaterdirektorin durchzusetzen?
Emmy WERNER: „Es steht ein alter Nußbaum", Junges
Emmy WERNER: Nein, überhaupt nicht. Ob's nicht sogar Herz und graue Haare", „Kaffeehäferl-Ländler", „Lie- eine Spur leichter ist, aber das gilt nur für's Theater.
Es kommt aber auch auf den Menschen an. Frau ist nicht gleich Frau. Mann ist nicht gleich Mann. So wie ich bin, als zusammengesetzter Charakter, hab ich's sehr leicht hier im Haus.
RENATE: Sind Sie als Theaterdirektorin ein autoritärer Mensch?
Emmy WERNER: Nein, ich hab' eine Sach- und Fach- autorität. Ansonst frag' ich fünfmal am Tag die Leut, wie macht man das oder das. Wenn man sicher genug ist, Fragen stellen zu können, war's von Anfang an für mich kein Problem. Ich glaub' nur es ist furchtbar, wenn man spielt man weiß alles und weiß einen BL Schmarr'n.
RENATE: Sie bringen viele sogenannte „Risikostücke". Zuletzt „Gegenwart der Erinnerung" von Gert Jonke, den Sie unter anderem auch als Theaterautor entdeck- ten. Karl Löbl in „Danach" beurteilte es: „Eine theatra- lische Leistung, die jede Anerkennung verdient!" Sie wissen aber vor der Premiere nicht, ob es ein Erfolg wird. Geht sich das immer mit den Finanzen aus?
Emmy WERNER: Die Risikostücke müssen immer mit sogenannten „normalen Stücken", die genug Publikum bringen, abgedeckt sein. Aber die Jagd nach der Quote wie im Fernsehen, die haben wir nicht. Sondern am Jahresende muß es sich mit dem Geld und den Besu- cherzahlen ausgegangen sein. Nachtragssubventionen gibt's nicht. Eine Ausfallshaftung wie bei den Bundes- theatern gibt es bei uns nicht. Ich muß mit dem Geld, von den Subventionsgebern bekommen Bund, Stadt und Land - auskommen. Ich kann nicht sagen: Es ist sich nicht ausgegangen, gebt mir noch „Aufg' spielt wird", „Kaisermühlen-Blues", Ein echter Wiener geht nicht unter". Wien und wir Wiener(innen) werden doch dadurch als „Zentrale der Primitivität" schlechthin prasentiert.
Emmy WERNER: Wissen Sie, es tut mir auch sehr weh, wenn der Wiener Dialekt nichts mehr mit dem schönen Wiener Dialekt zu tun hat wie er zum Beispiel in den Liedern vorkommt. Wienerisch ist das Hochdeutsche, das „eingewienert" wird. Nicht diese entsetzliche, grauenhafte Zerstörung der Sprache, die ja jetzt Mode ist. Ich find", das Wienerische ist etwas Wunderbares, wenn es das originale ist. Es wird ja jetzt so brutal verwendet.
RENATE: Frau Werner, dürfen wir auch ein wenig von Ihrem Familienleben erfahren?
Emmy WERNER: Ich hab' eine wunderbare Familie, an der ich sehr hänge. Seit einiger Zeit, nicht unbedingt freiwillig - das hat mit meinem Beruf zu tun -, lebe und wohne ich allein. Ich habe eine Ehe hinter mir und ich hatte wunderbare Lebensgemeinschaften mit wun- derbaren Männern. Aber ich bin durch diesen Job ein bißchen in eine Isolation als Mensch geraten. Das ist vielleicht ein Spezifikum für eine Frau. Ich glaub', daß das einem Mann nicht passieren würde. Ich bin eben total aufgegangen in meinem Beruf.
RENATE: Leben Sie gerne alleine?
Emmy WERNER: Also ich hab' immer schon sehr gerne alleine gelebt. Ich hab' nach meiner Ehe mit niemand mehr zusammen gewohnt. Ich bin ein sehr engagierter Mensch, der alleine sein möchte und sich nur auf Ver- abredung trifft.
RENATE: Sie sind so vielbeschäftigt. Bleibt Ihnen Zeit
RENATE: Sind Sie mit unserer Kulturpolitik zufrieden für Hobbys? beziehungsweise einverstanden?
Emmy WERNER: Hobbys hab' ich keine, weil das inter-
Emmy WERNER: Was meinen Bereich betrifft, natürlich essiert mich nicht. Ich bin eine große Sammlerin, Krä- sehr. Ich kenne keine andere Stadt, die soviel für Kul- merin und Trödlerin. Meine Wohnung ist ein einziger tur ausgibt wie Wien. Wo so viele Menschen subven- Trödelladen. Ich liebe meine Dinge sehr, weil sie für tioniert werden, wo so viele Aktivitäten sind, eine so mich alle eine Bedeutung haben. Ansonst bin ich eine offene Stadt für Kultur. Das schließt aber nicht aus, Genießerin des sogenannten kleinen Glücks. daß es Teilbereiche gibt, die sich nicht genügend unterstützt vorkommen, nur die kenn' ich nicht alle.
RENATE: Wie entspannen Sie sich? Daher kann ich nicht sagen, es müssen alle glücklich sein.
RENATE: Wie beurteilen Sie die Vernachlässigung des Wienerliedes durch die Medien? Tobstunde al zwei su Menscion schalt mich ein ganz wichtiges Lebenselixier geworden, weil
Emmy WERNER: Ich kenne beziehungsweise kannte nur ich sonst eigentlich keine Laster habe. Diese Ruhestun- Fernsehsendungen, die mir nicht gefallen haben, das den versuche ich auch einzuhalten. geb' ich zu. Die versucht haben, sich um das Wiener- lied zu bemühen und meines Erachtens kontraproduk-
RENATE: Wie verbringen Sie Ihren Urlaub? tiv waren. Aber ich wäre natürlich froh, wenn das gute
Emmy WERNER: Im Urlaub gibt's sowieso nichts, als Wienerlied gefördert würde. ins Grüne zu starren, so daß die mich umgebenden Freunde und meine Familie fragen: Woran denkst Du?
RENATE: Wäre es nicht eine Idee, dem Fernsehen Ich sag': Absolut an nichts. Ich schau da einfach auf JUSTAMENT BLAU anzubieten? die Blätter, die Vogerl. Die Natur ist mir sehr wichtig
Emmy WERNER: Wir haben es auch angeboten. Dem Ich liebe die ungestaltete Natur, wie es in meinem Projekt wurde nicht nähergetreten. Vielleicht ist es Landhaus ist. Wo alles wachsen darf, wie's wächst, wirklich auf der Bühne spannender als im Fernsehen. ohne irgendwie in eine Bahn gelenkt zu werden. Ja, Nun, ich produziere nicht fürs Fernsehen, aber daß und ganz wichtig ist mir: NO SPORT! solche Sendungen, solche Abende den Leuten sehr
RENATE: Liebe Frau Werner, ein herzliches Danke- gut gefallen, ist schon meine Meinung. Nur, wir laufen sicher dem Fernsehen nicht nach. schön, daß Sie Ihre knapp bemessene Zeit für ein offe- nes Gespräch zur Verfügung stellten. Ihr Herzensanlie-
RENATE: Eine Standardfrage bei mir ist, warum das gen, heimische Künstler zu fördern, gibt auch uns Mut Wienerische im Fernsehen immer so proletarisch dar- und Hoffnung. Abschließend für unsere Leser ein Tip: geboten wird. Wie zum Beispiel in Sendungen wie: Schnell zum Volkstheater und den Spielplan besorgen!