Jazz Gitti

Ausgabe Nr. 3

Renate Lechner plaudert mit Jazz Gitti

OCR-Interviewtext mit erhaltener gedruckter Fassung.

Interviewtext

Renate Lechner plaudert mit...

Liebe „Augustin-Freunde"'! Ab der 3. Ausgabe des „LA" möchte ich Ihnen Künstler, Autoren, Komponisten, Verleger, Förderer und Freunde rund um's Wienerlied näher vorstellen. Ganz besonders freut es mich, daß ich Ihnen als erste prominente Gesprächspartnerin die JAZZ GITTI, ein echtes Wiener Original, präsentieren kann.

RENATE: Liebe Gitti, Du bist für viele Menschen ein weiblicher, neuzeitlicher „Lieber Augustin" - wie stehst Du zum Leben?

GITTI: I tät sag'n positiv. I bin a Stehaufmand'l, ja aber so b'soff'n bin i net, und in de Gruam bin i a net eine- g'falln. Aber der Liebe Augustin war ja eh sympathisch. ich kann immer nur den Refrain - wie die meisten Leut' - aber ich bin schon de, de gern an Heurigen mit Musik hat. Des war schon von klein auf so, des erste Lied was i kenna hab' war: „Mei Muatterl war a Weanerin", des war meiner Mutter ihr Lieblingslied, und wia sie g'sturb'n is, hab' ich's lang net singen können. Da hab i immer g'want. Irgendwann werd' ich's auch wieder

RENATE: Vieles weiß man schon, zum Beispiel, daß Du ein eigenes Lokal hattest und dort viele Jahre gesungen hast. Wann begann Dein echter Durchbruch zum Erfolg?

RENATE: Wie stehst Du zu älteren Menschen?

GITTI: Im Mai 1990, mit der Präsentation von dem

GITTI: Genauso wie ich zu junge steh'. Wann's leiwand Album „A WUNDER", des war der Durchbruch, so daß san, san's leiwand und wann net, dann net. Ich sag' mi die breite Masse kennengelernt hat, weil kennt immer so, wann aner als Junger a klaßer Kerl war, hab'ns mi immer, nur hab'ns net g wußt wegen was. dann ist er als Alter auch a leiwander Typ. Des hat nichts mit alt oder jung z'tuan. Ich hör gerne de

RENATE: Du bist, wenn ich es so ausdrücken darf, ein G'schichtin wie's damals einmal war, wann's erzählen wienerischer Exportartikel in origineller, humorvoller von der alten Zeit, wann es net ausartet in Kriegs- Art und hast über die österreichischen Grenzen hinaus geschichten - des brauch i überhaupt net. im Fernsehen Karriere gemacht. Zuletzt mit TOHU- WABOHU; hat Dich der Erfolg verändert?

RENATE: Bist Du persönlich der Meinung, daß das Wienerlied nur für 50- bis 70jährige gesungen wird, wie

GITTI: Glaub' i net, nein, außer daß i meine Schulden das der ORF zu glauben scheint? zahlt hab' und daß ich es ganz angenehm find', daß ma net jeden Schilling umdreh'n muß, bevor man ihn aus-

GITTI: Nein, das glaub' ich nicht. Es gehen ja die Jungen gibt. auch zum Heurigen und horchen sich dort de Tanz an;

RENATE: Hast Du viele „ECHTE" Freunde dazugewon- aber man muß es gut machen, Pseudo derf's net sein. nen, oder empfindest Du die meisten als Trittbrettfahrer Ich glaub', für's Wienerlied ist eines der wichtigsten Dinge, daß ma de Stimmung umebringt. Es gibt ja jetzt Deiner Erfolge? im Fernsehen so a Sendung mit dem Merkatz.

GITTI: Ich hab' immer ganz wenig GANZ guate Freund' g'habt. Viele liebe Bekannte, aber klar kommen jetzt

RENATE: Ja, aber das ist ein Bierbeis'l. Leut' und sag'n: „Kannst Di net erinnern, da hab'n wir

GITTI: Eben, und die Sendung g'fallt ma a net. Allein uns ..., und so", wann i mi erinnern kann, ja, wann net de Statisten, de durt sitzen, wann's zu an Heurigen dann net. Was mi ärgert, san de, de g'sagt hab'n: „Ich geh'n, hab'ns bessere Typen wie dort. Aber ich waß net, hab' Dir g'holfen in schlechten Zeiten" - und da war'n wer des macht und was de sich vurg'stellt hab'n. Viel- einige - die hab'n mir wirklich g'holfen, de vergiß' i a leicht ist des a Deutscher, und der kann sich des gar net, aber die, die es immer wieder so betonen, des geht net vurstelln. Mir g'falits so net, und des is a net ma am Nerv, weil es net stimmt. Ich hab' immer Kohle weanerisch für mi. bracht und mei Arbeit geleistet. Klar gibt's Leut', de tät'n

RENATE: Setzt Du Dich persönlich für das Wienerlied sie net nach mir umdrah'n, wann i net de JAZZ GITTI ein? wär, tät'ns halt sag'n de Blade. Aber jetzt ist's halt interessant. Das kann ich abschätzen. Ich war lang

GITTI: I steh' drauf und i bekenn' mi dazu. Also i mechat genug im Gastgewerbe und hab' lang genug mit Men- gern amol a Platt'n machen mit Weanalieder, i glaub', schen z'tuan g'habt. | kann des net erklär'n, aber des daß i de Stimm' dazu hab'. Schau, was i sehr guat sing' g'spür ich. is da Blues, und das Wienerlied ist der österreichische Blues. Des is unseres so wie's ist, so wie's aus dem

RENATE: Mit dem Wienerischen Schlagerlied „Kränk' di Bauch außakummt. net hast Du in der Wienerliedszene einen großen Hit gelandet. Hast Du früher auch Wienerlieder interpre-

RENATE: Wie entspannst Du Dich nach berutlichem tiert? Streß?

GITTI: Klar, beim Heurigen. I sing' gern Wienerlieder,

GITTI: Faul sein. „Fernessen", „fernschlafen", ganz ein- des einzige Problem ist, de hab'n so viel Strophen, und fach des machen, was mich freut.

RENATE: Du wirkst immer so fröhlich und strahlst so viel Positives aus, was ist Dein Geheimrezept?

GITTI: Schau, i bin so wie andere Leut' auch, manchmal traurig, oder es geht ma net guat, da denk' i ma immer, des geht eigentlich niemand was an, und wann i zwida bin, warum soll i andere mitzah'n mit mein Zwidasein. Ich bin ein Mensch, wenn ich traurig bin und Du kummst ma mit an lachenden G'sicht entgegen und bist nett zu mir, dann bin ich auch wieder nett. Für mich ist des schon a guter Tag, wann i aufwach' in der Früh, und es tuat ma nix weh. Ich kann mich an kleinen Dingen freu'n oder wann de Sunn scheint. Aber wann ma nix weh tuat, des g'freut mi.

RENATE: Kochst Du gerne?

GITTI: Jein; ich hab' des Kochen ja g'lernt, aber ich hab's nie perfektioniert. Wann i an Gusto auf was hab' und wann i Lust auf's Kochen hab', dann koch' i gern und i glaub' a net schlecht. Aber zum Beispiel, wann einer wirklich gerne kocht, dann auch, wenn er selber gar net essen derf. Aber wann i a Diät mach' und nichts essen derf, dann fallert mir gar net ein, was ich für de anderen kochen könnte.

RENATE: Dein Lebenspartner ist Spanier, kann er schon wienerisch oder kommt demnächst ein spanischer Jazz- Gitti-Hit auf den Markt?

GITTI: Na, i kann ja net spanisch, und er lernt jetzt deutsch. Was dabei außekummt, ob des deutsch oder wienerisch wird, waß i net.

RENATE: Bei der Aktion Mitmensch setzt Du Dich erfolgreich ein, was ist Deine persönliche Motivation?

GITTI: Ganz kurz g'sagt, daß i absolut gegen Hetzerei gegen Menschen bin, daß man die Probleme ruhig und gelassen lösen muß. Ich seh' das als persönlichen Ein- satz für die Demokratie, weil Diktatur, Faschismus, des san Formationen, wo ich überhaupt nicht leben möchte. Ich möcht' immer des sag'n, was i ma denk und möchte mit Menschen zusammenleben, die bestmöglich tolerant san, weil ich des auch probier', aber immer kann man's net durchzah'n, weil ma halt a nur a Mensch ist. Außer- dem find' i, ma sollt Menschen net unterdrücken und Angst machen. Das ist etwas, was ich absolut verab- scheue.

RENATE: Abschließend, Gitti, gibt es noch etwas, was wir im „Lieben Augustin" behandeln könnten, was Dir am Herzen liegt?

GITTI: Vielleicht ein Anliegen an die arrivierten Kolle- gen, daß, wann's es zu was bracht hab'n, am Boden bleiben, und net aner gegen den andern ist. Aber eigentlich san des ja nur wenige. STICHWORTFRAGEN Geboren am: 13. Mai 1946 in Wien Sternzeichen: Stier, Aszendent Schütze Kinder: eine Tochter, Name: Schlomit Lieblingslied: Immer des was i g'rad lerna muaß Lieblingsgetränk: Des kummt auf mei Stimmung an Lieblingsessen: Mei Problem is, daß ma alles schmeckt Lieblingsurlaubsort: Dort wo nette Menschen san und a schen's Wetter Liebe Gitti, ich möchte mich bei Dir herzlich für Dein offenes und herzerfrischendes Interview bedanken und Dir auf diesem Weg sowohl für Deine beruflichen Vor- haben als auch privat alles Gute wünschen. Weiterhin toi, toi, toi und ein dickes Busserl. Deine Renate