Ausgabe Nr. 6
Renate Lechner plaudert mit Horst Chmela
Interviewtext
Renate Lechner plaudert mit...
Liebe „Augustin-Freunde"! Einer hat immer das Bummerl. Mein heutiger Gesprächspartner hat es schon lange nicht mehr. HORST CHMELA, sehr viele behaupten bereits UNSER HORSTI. Komponist, Autor, Sänger, Arrangeur von über 250 Titeln, die alle auf Tonträgern veröffentlicht, zum Teil vergol- det" wurden. HORST CHMELA, ein „Ausgezeichneter", und zwar mit dem Goldenen Verdienstzeichen des Landes Wien und der Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien. Seine Erfolge sind nicht darauf zurückzuführen, daß der am 29. Oktober 1939 in Wien-Ottakring Geborene ein echtes Wiener Sonntagskind ist, sondern ganz bestimmt auf Können, Fleiß und Beständigkeit. Wo er ist, da ist „der Bär los" und es ist „Weanerisch! Wia's g'hört!"
RENATE: Lieber Horsti, Deine neueste Produktion
RENATE: Wie kam es danach zu Deiner Musikkar- (Weanerisch! Wia's g'hört!) ist wieder eine wunder- riere? schöne Liebeserklärung an Deine Heimatstadt Wien. Bei H. C.: Ich habe neben meiner Ausbildung in verschie- zwei anderen Titeln von Dir ist mir jedoch aufgefallen, denen Jugendklubs gesungen und den Leuten, den daß Du den Namen Wien abgeändert hast. Bei „Wien, Freunden hat's gefallen. Da hab' ich dann eine kleine warum hab' i grad' di so gern" (jetzt DU, warum hab' i Amateurlaufbahn angefangen, die darin geendet hat, grad' di so gern) und bei der „Weltpartie". Warum? daß ich meine eigene Gruppe „The Sunset Four" H. C.: Die „Weltpartie" hab' ich für den Herrn Bürger- gegründet habe. Mit der habe ich damals schon viele meister und mich als kleine Ode an Wien geschrieben. Künstler, wie die Bambis, vertreten, später wurden wir Er wollte das Lied auf Platte mit mir singen und hat es dann engagiert und da mußten wir dann alle unseren mir versprochen. Da hab' ich dann einen zweiten Titel Beruf aufgeben. Als Berufsmusiker sind wir dann her- geschrieben, eben „Wien, warum ...", und wie es dann umgetingelt und irgendwann nach acht oder neun Jah- soweit war, hab' ich nichts mehr von ihm gehört. Ich ren habe ich dann schon Schallplatten besungen, mit habe es dann auf eigene Kosten produziert, und weil Erfolg, aber natürlich wieder von den Medien, sprich Fernsehen oder Rundfunk, maßlos im Stich gelassen. er sein Versprechen nicht gehalten hat, hab' ich vor lauter Gift dann überall das Wort Wien herausgestri-
RENATE: Du warst doch auch eine Zeit im Gastgewerbe chen. Jetzt muß ich aber sagen, es ist ein großer Erfolg, aktiv? eben eine Liebeserklärung an einen Menschen. H. C.: Ja, ich hatte im 1. Bezirk einen kleinen Nacht-
RENATE: Trotzdem Dich die Medien nie sonderlich ver- club, da hab' ich beim Plattenauflegen ab und zu mit- wöhnt haben, hattest Du viele Tophits, zum Beispiel der gesungen. Dann habe ich das „Bummerl" geschrieben, „Depperte Bua" - ein Megahit! Was ist aus Deiner und das ist dann so stark gekommen, daß ich anstatt Sicht dazu zu sagen? des Nachtclubs ein Wirtshaus aufgemacht habe und es „Zum Bummerl" nannte, damit ich wo singen darf. H. C.: Bisher hat dieser Titel 1,7 Millionen Coverversio- Weil in Wien mußt du ja eine eigene „Hütt'n" auf- nen! Ich selbst habe eine Goldene (25.000 Stück ver- machen, daß d' wo singen darfst. Wenn ich a guter kauft), aber alle anderen Interpreten, das sind zirka Opernsänger wär', müßt' ich schauen, daß ich a Oper 200 Kollegen, die den Titel aufgenommen haben, haben krieg' diese 1,7 Millionen verkauft.
RENATE: Weshalb glaubst Du, wurde Dein „Bummer/"
RENATE: Jetzt möchte ich aber ein wenig zurück- blicken, wie bist Du zum Wienerlied gekommen? ein so großer Hit? H. C.: Wenn Du Dir den Text anhörst - „zwa große Buam, de schupfen Kreuzer ...", dann ist des so, als H. C.: Als Kind bin ich in Ottakring, in einer ganz armen Familie aufgewachsen. Ich, Küche, Kabinett zu dritt und zu viert. Meine Mutter, mein Onkel und meine Tante haben immer musiziert, und wenn ich im Lichthof mit Bausteinen oder Kugerl gespielt habe, hab' ich eben die Lieder mitgekriegt.
RENATE: Du bist gelernter Schuhmacher. Könntest Du diese Handwerk heute noch? H. C.: Natürlich, ich hab's ja von der Pike auf gelernt. Nach meiner Ausbildung als Schuhmacherlehrling - Geselle - Meister war ich dann sogar Schuhdesigner, Schuhmodelleur sagt man dazu. Ich habe Modelle ent- worfen und das in Italien studiert. wenn Neger in der hintersten Kneipen sich mit Rum ansaufen und anmeierln. Das gibt's überall, bei jedem Volk, in allen Slums. Ich sag' immer: „Mei Bummerl is a Mörderblues." Ich habe damals mit einem neuen Wienerlied angefangen. Auf einmal sind wieder junge Leut' zum Heurigen gekommen und sagten: „Endlich einer, der ein neueres, bluesigeres, heutigeres wiene- risches Lied singt. Da erinnere Dich, Dei Vater, wie der des „Alte Häferl" von mir g'hört hat, ist Dei Walter- papa abg'schnallt. Ich war damals ein junger Spund und er hat mir auf die Schulter geklopft und g'sagt: „Bua, Du wast gar net, was Du da g'macht hast, Du hast Meilensteine gesetzt", und immerhin hat er das schon Jahre vorher gemacht.
RENATE: Du hast vor vielen Jahren - so wie heute die Aber ich will nicht nur auf der Bühne stehen und in Stadthalle - mit Deiner Musik das Theater an der Wien die Kamera schauen, sondern ich möchte bei meinen gefüllt. Warum ist das damals nicht weitergelaufen? Liedern auch einige Szenen drinnen haben. Wir sind gerade dabei, das Konzept auszuarbeiten. Wie gesagt, H. C.: Ja, ich habe vor 12 oder 13 Jahren als Niemands- das kostet sehr viel Geld und jetzt muß ich schauen, kind, ohne Presse und ohne Sponsoring, das Theater an noch Sponsoren zu bekommen, um meine Vorstellungen der Wien an einem Montag, wo Ruhetag war, gemietet. zu verwirklichen. Es war ein großer Erfolg, der Strobl-Toni hat mitge- macht, der Vickerl war no dabei usw. Mit nur 100 Pla-
RENATE: Bei Deinen Erfolgen gibt es doch sicher meh- katen rund um den Naschmarkt und trotzdem waren rere Plattenfirmen, die an Dir interessiert sind. Beab- 900 zahlende Leute da, die nach drei Stunden Pro- sichtigst Du einen Wechsel? gramm weggegangen sind, heute noch schwärmen und damals gejubelt haben. Am nächsten Tag schlagst die H. C.: Schau, es ist natürlich, daß wenn man Erfolg hat, Zeitung auf, und nicht ein Wort, keine Zeile, weil sonst andere Plattenfirmen sich auch interessieren. Aber es hätten's schreiben müssen, Mörderovationen, wäre ein Unsinn, denn never change a winning Team ist angekarrte Tickets aus den Bundesländern. Aber ich ein alter Spruch und wenn ich wo hingeh' und um's wollte ihnen zeigen, daß ich imstande bin, das Haus selbe Geld weitermach', wo jeder Fußballer, wenn er seinen Verein wechselt, 1 Million Handgeld bekommt und dann eine höhere Gage, dann werde ich nicht wo
RENATE: Kränkt beziehungsweise belastet es Dich, hingehen um's selbe Geld und weiß nicht wie es wird. wenn Du zum Beispiel bei einem Grand Prix der Volks- Außerdem ist der Boß dieser Tiroler Plattenfirma bereits musik Deine Titel einschickst, zum Beispiel den ein familiärer Freund und ich fühl' mich sehr wohl. „GOCKALA", und Du bekommst ihn dann mit: DANKE, nicht brauchbar, zurück? H. C.: Natürlich tuat des narrisch weh, und stell Dir vor, ich hätte nicht diese Erfolge. Aber wenn man an sich arbeitet und den Erfolg immer kleinweis' spürt, dann muß er, wenn Du ihn aneinanderreihst, irgendwann ein- mal groß werden. Wenn du es menschlich, gesundheit- lich und finanziell dapackst.
RENATE: Du könntest Dich ja im Prinzip bereits auf Deinen Erfolgen ausrasten? H. C.: Gut, daß Du das ansprichst. Ich werde solange mich die Beine, das Herzerl, die Gesundheit mein' ich damit, tragen, immer wieder den einen oder anderen Auftritt machen. Denn aus diesen Auftritten, durch die Kommunikation mit den Menschen - das In-die-Augen- Schauen und die Tränen sehen, die Liebe spüren, die die Leute meiner Musik entgegenbringen, die sie mir entgegenbringen -, das gibt mir die Kraft, nicht nach- zulassen und immer wieder schöpferisch Neues zu
RENATE: Wenn man Deine musikalische, künstlerische Arbeit betrachtet, sieht man immer wieder, wie facet- tenreich dieser Chmela ist. Im texten, komponieren, im Ausdruck seiner Stimme. So wie der Horsti seine Lieder singt, singt sie keiner. Was ist Dein Geheimrezept? H. C.: Alles ist bei mir anders. Jeden einzelnen Kräch- zer in meiner Stimme und jede Trübung des himmli- schen Blaus meiner Augen habe ich selbst bewerk- stelligt. Mit viel Mühe und in vielen Nächten, und das ist nicht eine Summe des Wollens, sondern eine Summe der Mißachtung meiner Gesundheit und meiner bein- harten Hingabe.
RENATE: Du hattest jetzt großartige Erfolge in der Stadthalle, was gibt's für weitere Zukunftspläne, auf die wir uns freuen können? H. C.: Das hängt alles noch ein bisserl in der Luft. Der ORF hat mir angeboten, eine HORST CHMELA-Stun- denshow zu machen, an einem Dienstag um 20.15 Uhr, also zur besten Sendezeit. Aber nur auf Videobasis.
RENATE: Was heißt das?
RENATE: Da kann ich gleich anschließen und ein wenig in Dein Privatleben reinschauen. Was hast Du für Hobbys - abgesehen von Deiner Musik? H. C.: Ich habe einen Felsengarten bei mir in meinem Haus, da sind von Edelweiß bis Erika die verschieden- sten Pflanzen drinnen. Den pfleg' ich selbst, da kann ich mich entspannen.
RENATE: Bist Du ein schwieriger Mensch im Zusam- menleben? H. C.: Ja, sicher. Aber ich entlaste meine Frau sehr. Ich geh' gern einkaufen, auf den Markt. Da such' ich mir den schönsten Krautkopf aus und aus dem bereite ich dann drei verschiedene Speisen zu und wer mitessen will, kann mitessen. Kochen ist auch ein Hobby, das mach' ich gerne.
RENATE: Wie lange bist Du verheiratet? H. C.: Ich bin 33 Jahre mit meiner Frau zusammen, davon 28 Jahre verheiratet. Wir haben zwei Kinder, eine Tochter und einen Sohn mit 16 und 19 Jahren, wobei mein Sohn, der Horsti jun. bereits in meine Fuß- stapfen tritt und singt.
RENATE: Fährst Du gerne auf Urlaub? H. C.: Nein, nie! Obwohl die Freunde, die ich habe in Amerika, Kanada, Lanzarotte, Ibiza oder Mallorca usw., mich immer einladen, ich soll zu ihnen kommen. Da sag' ich immer d'rauf: „Schau her, ich hab' daham ein kleines Haus an einem See, da kann ich Sommer und Winter machen was ich will. Wenn ihr mich einladet auf die Bahamas oder auf Ibiza, zeigt ihr mir eure Nachtclubs und wie man bis 5 Uhr früh feiert - das kann ich aber nicht. Ich weiß wie's geht, weil ich bin 25 oder 30 Jahre im Nachtgeschäft. Wenn ich dann in der Früh aus irgendeinem Lokal rauskomm' und will mir ein Taxi rufen und sagen: „Bitte, nach Wien in die Großfeldsiedlung, dann kommt mir das so teuer, daß ich gleich zu Haus' bleib'. H. C.: Das heißt, es ist eine Produktionskostenfrage. Der ORF will nur so und soviel Geld ausgeben. Er würde das auf Bühnenbasis mit zwei Kameras live machen.
RENATE: Lieber Horsti, auf diesem Wege möchte ich mich nochmals bei Dir für dieses Interview bedanken - auch im Namen unserer Leser - und wünsche uns allen die Dir zustehende Anerkennung durch alle Medien. Dein Publikum liebt Dich und Deine Lieder sowieso. Herzlichst, Deine Renate