Ausgabe Nr. 8
Renate Lechner plaudert mit Gerald Pichowetz
Interviewtext
Renate Lechner plaudert mit...
Liebe „Augustin-Freunde"! Für die Sommernummer des „Lieben Augustin" habe ich mir ein besonderes Zuckerl" aufgehoben. GERALD PICHOWETZ, vielen bekannt in der Rolle des „Fünfers" aus der Fernsehserie „Kaisermühlen-Blues". Seit fünf der „Bühne 21". In diesem Gespräch möchte ich aber mit dem Kabarettisten, Regisseur und Schauspieler über das Wienerlied plaudern.
RENATE: Anfangen muß ich natürlich mit der Rolle des
RENATE: Schon, nur bei einem Grand Prix der Volks- „Fünfers". Deine schauspielerische Leistung ist groß- musik hör' ich mir ein Vorarlbergerlied genauso an, artig und Du spielst sehr glaubhaft. Wirst Du mit dem wie a Wienerlied. „Fünfer" häufig identifiziert?
GERALD: Das Wienerlied interpretiert sich von der
GERALD: Na unentwegt, tät' i fast sagen, also des is Historie heraus nicht durch seine schwunghafte Gang- jetzt übertrieben, aber ziemlich oft. Ich habe über sechs art. Weil des „Zillertalerschürzenjagerliedl" drah i auf Jahre „Achtung Kamera" gemacht, da war ich ja kein und i laß' es rennen und daneben erzähl' ich Dir wie Unbekannter mehr, i mein nur den Fünfer, bedingt durch schön 's auf der Welt ist. Während beim Wienerlied muß die Rolle, merken sich die Leute, da sagen dann viele ich zuhören. Das ist eine eigene Kunstform, es ist nur mehr der Fünfer oder der Bim Bim. schön, daß es diese Kunstform gibt, nur man hat sie
RENATE: Bringt das im täglichen Leben Schwierigkei- nicht salonfähig gemacht. Das ist das Problem. ten oder Konfrontationen?
RENATE: Gefallen Dir Wienerlieder und was glaubst
GERALD: Nein, eigentlich nicht. Mein Gott, es gibt Du könnte für diese Musikrichtung unternommen wer- immer wieder ein paar „blede Leut' ", die glaub'n wirk- den, damit sie auch wieder einen Aufschwung erfahrt? lich i bin so, also sprich - die glaub'n, i bin behindert -
GERALD: Das Wienerlied neigt dazu, sich zu verfrem- und dann ist es doppelt arg, wenn sie sich so beneh- den, es modernisiert sich nicht. Es hat das Pech, daß men, wie sie sich benehmen. Aber nur das ist eine manche versuchen, es ins Bierzelt zu bringen und das Frage des Niveaus. hat mit dem Wienerlied nichts zu tun. Das Wienerlied
RENATE: In der zweiten Staffel des „Kaisermühlen- hat große Tradition, die muß gepflegt werden. Es ist ja Blues" warst Du weniger vertreten. Warum? net so, daß ich die Branche net kenn', i hab' ja dort angefangen. I war mit 13, 14 Jahren der jüngste Stim-
GERALD: Weniger bis gar nicht. I hab' mitgekriegt, daß menimitator und hab' genau dasselbe gemacht wie der man mich überhaupt rausgeschnitten hat, aber man Hannes Patek usw. In Ottakring mit Rudi Luksch jeden dürfte das sehr gut umgemodelt haben. Die Frage ist Donnerstag, Freitag, Samstag, was ham mir Frühschop- nur, wie „fair play" das von der Filmfirma ist, weil die pen g'habt, damals no mit'n Bruno Schatzer. Ich kenn' müssen ja a teppert sein, die machen einen neuen alle, san alles gute Freund. Nur, die Branche vergoggelt „Roller", das heißt den Anfang, wo alle Namen laufen, machen's komplett neu und wenn man a bißl a Ahnung hat von der Branche, weiß man, was das kostet und des kost' a Vermögen, nur damit, daß der Name heraus- genommen wird. Des trifft mi aber net, des sag i a glei dazu, i bin net bös.
RENATE: Waren persönliche Gründe dafür verantwort- lich?
GERALD: Na, des is a Flasch'n der Regisseur, des kann man ja sag'n. Er kann mi gern klagen, i wart' ja drauf, aber er wird's net tuan. Damit hab' i dann alles gesagt, was i zum sagen hab'.
RENATE: „Kaisermühlen-Blues", „Aufgspielt wird", „Ein echter Wiener geht net unter", mit solchen Serien wird Wien präsentiert. Es wäre schön, wenn Wien und die Wienerlieder freundlich gestaltet würden.
GERALD: Ich glaub', das Wienerlied selbst lebt ja hauptsächlich nur vom Text und der hat soviel Lokal- colorit, daß man ihn in Vorarlberg nicht mehr versteht, das sag' ich jetzt einmal ganz bewußt.
RENATE: Wo siehst Du die Schwierigkeiten bei Wie- nerlieddarbietungen?
GERALD: Die Wienerliedbranche hat das Problem, daß es zu viele geworden sind, die sich als Sänger ver- suchen. Die Professionalität ist ausgespannt. Ich kann mich erinnern, wir haben hochwertige Frühschoppen geliefert. Des Problem ist nur, daß dann irgendwelche Typen irgendwann einmal mitg'mischt hab'n, die an- gfangen haben, des zu untergraben und plötzlich war der Futter- und der Brotneid da. Des Wienerlied müßte net absteigen, aber des machen de Leut'.
RENATE: Durch diese Serien wie „Kaisermühlen- Blues", „Aufgspielt wird", ,A echter Weaner geht net unter" wird den Bundesländern Wien als Zentrale der Primitivität in die Wohnzimmer geworfen. Oder wie siehst Du das?
GERALD: Ma hat's a net zam'bracht, zum Beispiel die Serie „Aufgspielt wird" richtig wienerisch zu verkau- fen. Man hat wieder Schauspieler zum Singen genom-
men, wie die Frau Neumeister oder den Herrn Hirn- schall. Und von den Wienerliedleuten ist wieder nie- mand zum Zug gekommen.
RENATE: Wie stellst Du Dir die geeignete Atmosphäre für dieses Genre vor? Buchbinderei J. Werner Inhaber: Hans D. Werner Bibliothekseinbände, Geschäftsbücher und sämtl. Buchbindereiarbeiten, Druckausfertigungsarbeiten,
GERALD: Zum Beispiel die Aktion Rettet das Wiener- Falzarbeiten. lied" (Adi Stassler), die war beim Muck, jeden Dienstag auf'd Nacht. Des war ein Geheimtip. Binnen drei Monat, 1030 WIEN, DAPONTEGASSE 1 TEL. 714 82 78 ich kann mich erinnern - i bin dort auch aufgetreten - war de Hütt'n durt gsteckt und grammelt voll. Dort hast schon primar arrogant oder goschert, was ja net unrich- in die Weinstock kane Plätz' mehr kriegt, weil de Leut' tig ist. Aber wann ich mich net wohl fühl', dann nehm' durt pickt san. Also genau des is es ja, ohne irgend a ich ab und wenn ich mich wohl fühl, so wie ich bin, Anlage, ohne Überdimensionalem. Der, an den ich mich und das tu ich, dann laß ich's. erinnern kann, der das noch gut organisiert hat, war der Oskera. Wenn ich mir heute anschaue, die Christl
RENATE: Wann gibt es wieder ein Kabarettprogramm in ihren „Runden", die's beim Binder macht oder beim von Dir? Popp, des is alles liab - aber des is a Wirtshausatmo- sphäre. Deswegen a paar Tausender auf'd Nacht därf's
GERALD: Lange nicht, hoffe ich! net sein. Des kann's net sei, des kummt net durch.
RENATE: Geht Dir das Kabarett nicht ab?
RENATE: Geh'n wir ein bißchen ins Private. Deine Mut-
GERALD: Nein, überhaupt nicht um Gottes Willen - ter ist in Kaisermühlen selbständig und führt einen Kos- man braucht über das ganze Land nur ein Zelt spannen metiksalon, welche Beziehung hast Du zu Kaiser- und dann hat man eine Lachanstalt mit dem Namen mühlen? Österreich. Dreh' einmal die Nachrichten auf, ab halb
GERALD: Ja, dieselbe. Meine Mutter ist selbständig und acht Uhr, des daspielst ja net - in keinem Programm, hat a G'schäft. Es gibt a Superkonditorei dort. G'fallt was sich da abspielt. Außerdem ist das Kabarett in ma - klasse Partie - na, was soll i sagen: Kaisermüh- genau derselben Gasse wie das Wienerlied. Es gibt viel, len ist Kaisermühlen. frag' mi über Favoriten - Favo- und einfach viel Schlechte. Da san drei oder vier aus- riten super. Kaisermühlen - i steh drauf, leiwand, Gel- verkauft, des ist beim Kabarett, kann man sagen, Stein- sen und klaß, alles hauer. Resetarits und Bisenz, dann ist einmal lange Zeit Essigpartie. Dann kommen die Insider, de stehen
RENATE: Du bist Wiener, wo bist Du aufgewachsen? wieder auf einem anderen Blatt'l, und dann ist Sende-
GERALD: Floridsdorf - ein echter, g'waschener Florids- pause. Ich will mich da nicht durchquälen. Einstweilen dorfer! nicht. Kabarett mach' ich in den nächsten drei, vier Jahren keines.
RENATE: Dürfen wir auch in Deinem Privatleben schnüffeln - bist Du verheiratet, Kinder, Sternzeichen,
RENATE: Also Zukunftspläne? Hobbys, Entspannung?
GERALD: Was das Kabarett betrifft - keine. Beim Thea-
GERALD: Verheiratet. ja, meine Frau heißt Marianne; ter mach' ma eh genug, das wird man immer wieder Kinder: 2 Buben, ein Sohn ist 6 Jahre, Carl Michael, der lesen und auch hören. zweite wird im Juni 1 Jahr, Franz Stephan. Sternzei-
RENATE: Hast Du generell ein Vorbild? chen: Löwe, geb. am 1. August 1964. Hobbys: Modell- eisenbahn spielen, basteln. Entspannen: indem
GERALD: Nein, eigentlich nicht, nicht, weil es nichts Modelleisenbahn spiele besseres gibt, sondern aus dem einfachen Grund, weil alles, was ein Vorbild ist, kann nur eine Kopie werden
RENATE: Auch die Jazz-Gitti hat mit ihren Rundungen und das ist schlecht. bewußt Erfolg. Wie schaut das bei Dir aus?
RENATE: Lieber Gerald, ich möchte mich ganz herz-
GERALD: Bitte frag' mich nach dem Alter und net nach lich bei Dir für dieses Interview bedanken und wünsche dem Gewicht. Ich hab' mit meinen Rundungen keine Dir weiterhin viel Erfolg und uns, daß Du Dir Deine Probleme. Die Leut' glauben, wenn einer dick ist, ist er Natürlichkeit und Deine Vielseitigkeit bewahrst. CAFETERIA INGRID Besuchen Sie unsere Wienerliedabende je- den 1. Dienstag im Monat. Erleben Sie mit bekannten Künst- Bei uns ist immer etwas los! Unsere kleine, kostenlose lern "Wienerlied haut- Hauszeitung informiert Sie gerne über unser Programm. Wir nah"! bieten Ihnen Wiener Küche, frische Mehlspeisen, günstigen Jeden Mittwoch ab 14 Mittagstisch, und für Ihre schlanke Linie auch Vollwertküche. Uhr Seniorenjause. 1020 Wien, Ausstellungsstraße 25 • Telefon 218 00 42