Lydia Kolarik

Ausgabe Nr. 98

Renate Lechner plaudert mit Lydia Kolarik

OCR-Interviewtext mit erhaltener gedruckter Fassung.

Interviewtext

Renate Lechner plaudert mit...

Liebe Augustin-Freunde! Wann hat man das Glück mit einer Powertrau, die mit ihrem Bruder Karl Kolarik - als Familienunternehmen - eine Tradition von Wien: „DAS SCHWEIZERHAUS", hoch hält und erfolgreich führt, zu plaudern? Natürlich nur um die Weihnachtszeit. Sie werden das seltsam finden, denn grad um diese Zeit „stressen" die meisten vor sich hin. Eine Frau die am Tag „-zig Gäste" begrüßen darf und es auch mit ihrem unverkennbaren Charme macht. Danke, liebe Lydia Kolarik - „Grande Dame des Schweizerhau- ses" - dass du dir für uns Zeit nimmst.

RL: Wie verbringst du die Weihnachtszeit? Oder können wir uns das so vorstellen: Das Schweizerhaus hat tradi- tionell von 31. Oktober bis 15. März geschlossen und ihr erholt euch bis dahin auf sonnigen Inseln?

LK: Nein, so ist es nicht. Wir haben im Betrieb sehr viel Arbeiten, die wir während der Saison nicht machen kön- nen. Die ganzen Wartungen, das Service der Kühlhäuser, alleine für die Lüftungstechnik ist drei Wochen eine Firma bei uns, die die Klimaanlagen reinigt, es werden Geräte erneuert usw., es muss alles serviciert werden.

RL: Also viele Dinge die der Gast gar nicht bemerkt?

LK: Ja richtig, das fängt schon im Garten an, da wird der Kies weggeräumt, dann wird die Erde aufgelockert, weil durch die vielen Menschen die täglich bei uns sitzen, wird das fast wie Beton. Dort wo unsere Kastanien- und Nuss- bäume sind, ist es sehr wichtig, dass die Erde gelockert wird. Wir haben Stutzen, wo Wasser zugeführt wird, wir düngen und bevor wir aufsperren wird wieder planiert. Wir haben ja über 1000 Sessel - also nur eine Kleinig- keit - da sind die ganzen Gummistoppeln abgeschlagen, die gehören erneuert, die Innenräume müssen ausgemalt bzw. ausgebessert werden - der Maler kommt jedes Jahr, wir haben in der Haustechnik, in der Verwaltung genug zu tun. Es wird von Montag bis Freitag gearbeitet.

RL: Wie entspannst Du nach so einer anstrengenden Zeit?

LK: Ich bin gerne in der Natur, ich tanze gerne - egal ob Polka, Walzer usw. - eigentlich alles. Eine Zeitlang bin ich in einen Kurs für Ausdruckstanz gegangen, da war das Alter egal, das hat mir sehr gut getan. Ich liebe das Kaba- rett. Aber an erster Stelle stehen natürlich meine Kinder und Enkelkinder.

RL: Sag kannst Du eigentlich noch eine Stelze sehen bzw. essen?

LK: Oh ja, i seh's gerne, besonders wenn's so schön knusprig sind. Essen auch, obwohl so ein Fleischtiger bin ich nicht. Unsere Gäste können ja auch nicht jeden Tag Fleisch essen und deshalb haben wir auch Tagesteller zur Auswahl, denn nach einer Zeit haben die Gäste auch die Karte durch und wollen wieder etwas Neues. Wir haben Wochenschmankerl. Auch für Veganer gibt es z. B. unse- ren Bohneneintopf und auch unsere Kartoffelpuffer sind vegan - es ist kein Ei drinnen und wir backen in Pflanzenöl aus.

RL: Aber wenn ich ins Schweizerhaus gehe, denke ich nicht dran, na heute mach ich einen makrobiotischen Tag.

LK: Nein, und das ist gut so, man soll es ja genießen...

RL: Ein Gerücht keimt immer wieder auf, ihr hättet ein besonderes Abkommen bezüglich der Kohlensäure in eurem Bier bzw. ihr zapft mit Luft - was ist da dran?

LK: Das war einmal so. Mein Vater hat mit Luft gezapft, er hat extra einen Föhrenwald gepflanzt und so hat er mit Luft - er hat g'sagt. „die gute Praterluft" - gezapft. Aber das hätten die Wirte dann überall - auch in der Innen- stadt mit schlechter Luft - gemacht, es wurde verboten. Anfänglich hat er hat sich strafen lassen, hat aber dann aufgehört; man kann nicht immer nur Strafe zahlen.

RL: Aber ihr habt einen sehr ausgeklügelten Zapfvorgang?

LK: Ja, an der Schank wird vorne mit viel Druck einge- schenkt, da kommt dann auf die Art wie ein Milchschaum heraus und das Glas wird weitergeschoben, nachge- schenkt und wieder weitergeschoben, nachgeschenkt und dann kommt die Haube drauf. Der Vorgang dauert mindestens 3 Minuten, das Bier muss sich setzen, des- halb ist auch weniger Kohlensäure drinnen.

RL: Kann man sagen, dass du und dein Bruder, die Bewahrer der Tradition seid und eure Schwester, mit der Luftburg, Praterfee usw. eine andere Schiene gewählt hat. Arbeitet ihr ab und zu zusammen oder sind das zwei getrennte Unternehmen?

LK: Das sind zwei völlig getrennte Unternehmen. Meine Schwester hat das Unternehmen Luftburg aufgebaut, das war ihre Idee. Sie ist schon früher so gerne auf Matratzen gesprungen.

RL: Es gibt jetzt seit einigen Jahren die „Wiener Wies'n". Ist das für euch eine Zeit der Umsatzeinbuße und seht ihr das als Konkurrenz?

LK: Nein, als Konkurrenz kann man das nicht sehen. Das ist etwas Eigenes und man sieht der Bedarf ist da, die Jugend und auch die Älteren gehen gerne hin. Ich finde das ist eine Bereicherung für den Prater. Bei schönem Wetter gehen die Leute durch den Prater und kommen auch ins Schweizerhaus. Es ist ja auch optisch eine Berei- cherung wenn man die hübschen Dirndln sieht. Es ist nett anzuschauen. Da ist ja Musik, dort ist Party!

RL: Habt ihr jemals einen Frühschoppen mit Musik in Betracht gezogen, oder weil euer Lokal ein - entschuldige den Namen - „Selbstläufer" ist, kommt ihr gar nicht auf den Gedanken?

LK: Wir haben es probiert, aber es ist einfach die Auf- merksamkeit bei uns nicht gegeben, die Leute wollen sich unterhalten. Die Gäste sind es nicht gewohnt, dass bei uns Musik spielt. Das Schweizerhaus wird nicht mit Musik verbunden. Genauso wie das Schweizerhaus nicht mit Laptop oder Handy in Verbindung gebracht wird.

RL: Zur Eröffnung und zum Abschluss habt ihr jedoch Musik?

LK: Wir haben am 15., 16. März und am 30., 31. Okto- ber Musik. Das ist angesagt, das wissen unsere Gäste. Für die Musik bin ich zuständig, wir haben vier Kapellen, die müssen genau eingeteilt werden - überall dürfen sie eine ½ Std spielen und die „wandern". Manche unserer Musiker kommen auch schon 30 Jahre ins Schweizer- haus. Z. B. die „Prager Motovidlo" die haben ein tolles Repertoire, dann haben wir die „Wuppa", die habe ich beim Steirerfest entdeckt, die geben halt Gas - „De Zwa", sind auch Steirer und die „Power Kryner". Bei der Eröffnung haben wir auch „Wiener Wahnsinn" und die „Schürzenträger" eine Blasmusik aus dem Burgenland, da ist dann bei uns richtige Partystimmung.

RL: Ein tolles Wienerlied von Sepp Fellner und Rudi Kreit- ner heißt: „ Beim Heurigen da gibt's kann Genierer, da sitzt der Bankdirektor neb'n an Tapezierer" - so empfinde ich eure Lokalität. Es gibt keinen „Standesdünkel", wie er- klärst du dir das Phänomen?

LK: Ja was ist das? Das sollte man beschreiben kön- nen. Für mich sind alle gleich. Weil bei uns keiner be- vorzugt wird. Bei uns wird jeder gleich begrüßt ganz egal wer. So und so, es ist ein Mensch. Aber ich sehe es auch den Gästen an, wenn etwas nicht in Ordnung ist und spüre, wenn jemand das Bedürfnis hat etwas zu sagen. Letztens hatte ich so eine berührende Begeg- nung, da ist eine Frau alleine gesessen, und irgendwie hatte ich das Gefühl - da geh ich hin. Ich hab gefragt ob sie noch jemand erwartet, und sie hat gesagt: „Nein, aber mein Bruder ist heute in der Früh gestorben und davor hat er gesagt, gehst jetzt ins Schweizerhaus..."- ich hab' sie umarmt und dann waren ihre Worte: „er war so gerne im Schweizerhaus". Das gibt es halt dann auch. Ich schau die Leute bewusst an, manche warten ja direkt - und es freut mich sehr, dass man mit ein, zwei Sätzen die Leute zum Lachen bringen kann, ich habe aber auch schon Leute zusammen gebracht. Es gibt immer wieder schöne Momente.

RL: Heuer ist der Prater 250 Jahre geworden. Wie gefällt dir übrigens der neue Riesenradplatz?

LK: Gefällt mir gar nicht, aber der gefällt kaum jemand. Das Riesenrad hat man früher viel besser gesehen, jetzt ist das so verbaut. Vorher war die schöne Würfeluhr, die Blumenbeete und die „Standerl" rundherum. Das war ein Entree, aber jetzt ist das so eingekastelt, und diese Stil- richtung ist ja nicht einmal guter Kitsch.

RL: Mit sehr bekannten Lieder wie z. B. „Im Prater blü- hen wieder die Bäume", „/ moch ma mein Prater daham", „Den Wurschtl kann kana daschlog'n" oder auch jünge- re Musikstücke von Adi Stassler: „Im Broda (sagt ma)", oder z. B. von Prof. Victor Poslusny: „Der Prater halt sein Winterschlaf" wurde der Prater immer schon erfolgreich besungen. Was gefällt dir besonders?

LK: „Der Prater halt sein Winterschlaf", das kenn ich, ich mag das, besonders wenn's es im Winter spielen und draußen schneit's. Aber ich liebe „Hermann-Leopoldi-Lie- der", z. B. „Schön is so a Ringelspiel", das beschreibt wie es im Prater zugeht, des g'fallt mir so, das kann ich nicht oft genug hören. Das ist eines meiner Lieblingslieder. Ich bin so sehr für die Musik. Ich finde es ist auch so wichtig zu singen, man singt viel zu wenig.

RL: Mit welchem Satz könnte man besser enden? 250 Jahre Prater und ich könnte noch 250 Stunden mit dir plaudern. Danke für das erquickliche Gespräch. LEBENSWEISHEITEN Das Alter bringt uns die Erkenntnisse aller früher versäumten Gelegenheiten. ..Ver- „track"-tes von Gerhard Track Jetzt haben wir also Weihnachten und das Jahr 2016 hinter uns gebracht. Ich hoffe, Sie können sagen, es war ein gutes Jahr. Ob es im Weltgeschehen ein gutes Jahr war, na ja, da könnte man streiten. Also will ich in der ersten Ausga- be des Jahres 2017 unserer Zeitschrift nicht über Politik schreiben, sondern bleibe dem Wienerlied treu und habe da doch ein freudiges Erlebnis zu berichten. Ich habe in unsere Zeitschrift aus dem Jahre 1993 - es war die zweite Ausgabe damals noch als - „Der liebe Au- gustin" bekannt geworden - nachgesehen. Der Titel des Leitartikels war damals: „Quo vadis Wienerlied?" Nun nach 23 Jahren kann man sagen: „Das Wienerlied lebt, es hat sich weiter entwickelt, es gibt junge, talen- tierte Komponisten und Textdichter die sich für das Wie- nerlied einsetzen. Man muss ihnen Dank sagen, denn es gibt Idealisten, die sich bemühen durch Zeitschriften wie unsere hier, Radiosendungen die das Wienerlied in aller Welt ausstrahlen und Künstler, die sich erfolgreich ein- setzen. Es gibt auch freudige Ereignisse. Zu Jahresende brachte das österreichische Fernsehen (ORF) eine her- vorragende Sendereihe mit einem Chorwettbewerb. Der Chor, der den zweiten Preis ersungen hat, waren die ausgezeichneten Gumpoldskirchner Spatzen und zwar mit Wienerliedern. So das unsterbliche Lied: „Wien, Wien nur du allein" (Wien, Stadt meiner Träume) von Rudolf Sieczynski. Man kann der langjährigen, erfolgreichen Leiterin des Chores, Frau Elisabeth ZIEGLER nur Dank sagen, dass sie bewiesen hat, dass das Wienerlied - die- ses Lied wurde bereits im Jahr 1912 komponiert - noch heute in aller Welt gesungen und gespielt wird und dass sie es wagte, bei einem internationalen Wettbewerb mit einem Wienerlied Furore zu machen. Das Publikum in dieser öffentlichen Sendung tobte vor Begeisterung und es hat bewiesen, dass das Wienerlied sicher weiterleben wird und so freue ich mich, dass viel- leicht mein Artikel in der letzten Ausgabe dieser Zeitschrift mithilft, Komponisten, Textdichter, Interpreten und Chö- re zu animieren, das Wienerlied zu pflegen und sich wei- terhin für unser Kulturgut einsetzen. denn das Publikum liebt einmal Wiener Lieder und Wiener Weisen und dies in aller Welt. Somit wünsche ich Ihnen ein schönes, gesundes und erfolgreiches neues Jahr Ihr Gerhard Track Kulturverein „Initiative Währing" Die erste Veranstaltung im Rahmen der Festwochen Wah- ring fand im Konzertcafé Schmid Hansl statt. Es war ein literarisch, musikalischer Frühlingsstrauss.