Ausgabe Nr. 9
Renate Lechner plaudert mit Toni Strobl
Interviewtext
Renate Lechner plaudert mit...
Liebe „Augustin-Freunde"! Zu meinem heutigen Interviewpartner gibt es einen treffenden Satz, den mein lieber Freund Rudi Luksch ein- mal treffend formulierte: Der Mann ist der Wiener schlechthin, der g'hört einmal anstelle des Rathausmannes rauf!" TONI STROBL!
RENATE: Deine Liebe zum Wienerlied begann schon in ganz jungen Jahren. Wie alt warst Du?
TONI: Ich war damals 6 Jahre. Mein Vater war bei der
RENATE: Helmut Schicketanz hast Du 1951 bei der SMV (heute OMV) kennengelernt, bei der ihr beide gearbeitet habt. Wie seid ihr euch musikalisch näher gekommen? Straßenbahn, hat aber nebenbei noch einen Fuhrwerks- betrieb aufgezogen und hat zufälligerweise einen Bauernhof in Leopoldau gemietet. Der hat den Eltern von der Matauschek in Breitensee, vom Fritz Matau- schek seiner Frau, gehört. Mei Vater hat immer für'n Schmäh was über gehabt. Der hat mich immer, wenn er den Pachtschilling zahlt hat, mitgenommen zu die Frühschoppen. Er hat sich des so eingeteilt, daß immer a Frühschoppen war und wann mi ana g'fragt hat, was i einmal werden will, hab i g'sagt Heurigenkomiker.
RENATE: Du hast aber den Beruf des Bauzeichners erlernt, wie war das damals?
TONI: Wo früher die Austro Mechana war, dort war das Büro von einem deutschen Architekten, dort hab' i g'lernt. Mein Vater wollte, daß ich studier'. Da hab' i ma selber a Hack'n g'sucht. Der hat a Jahr net g'wußt, daß
TONI: Der Helmut war draußen im Olgebiet (Aderklaa) Elektrikermeister und hat mit einer Partie beim Rathaus im „Loyalty Club" zu viert gespielt. Kennengelernt haben wir uns, da war a Barbarafeier in an Wirtshaus und i bin dort aufgetreten mit zwei Spezi'n und dort is' groß g'standen: „Helmut Schicketanz und seine Solisten". Nur von denen ist kaner überblieben, de warn alle angesoffen. Jetzt ist der Schicketanz zu mir gekom- men und hat g'sagt: „l möcht' a paar Musiker auftrei- ben, kennen'S mi net begleiten?" Da hat er no a Kla- vierlehrerin geholt und an Baßisten und an Schlagzeu- ger. Na dann hab'n wir halt dort angefangen. Auf einmal san ma so ins Blödin kommen und de Leut san auf der Erd' g'sessen und wir habn's g'fragt: „Warum tanzt ihr net?" Haben's g'sagt: „Na, wir hurchen euch lieber zua." Mia hab'n dort a Riesenshow ab'zogen. i schon lern.
RENATE: Habt ihr euch gleich verstanden?
RENATE: Das hast ihm gar nicht g'sagt?
TONI: Na, aber nach zwa Jahr bin i eingruckt zum Arbeitsdienst. Ich war natürlich mit meiner Lehr' noch nicht fertig. Dann hab' ich vom Arbeitsdienst a Schrei- ben gekriegt, daß ma freigeben. Ich hab' dann die Prü- fung nachg'macht. Die Prüfung hab' ich als Bauzeich- ner und Technischer Zeichner. Weil i war zerscht in
TONI: Ja, sofort. Er hat dann g'sagt: „l spiel da in dem ,Loyalty Club', mia krieg'n durt 20 Schilling Aufgeld und 50 Schilling bring i an, des is a nix - du spielst da beim Heurigen, möcht' ma uns net z'sammhaz'n?" Sag' ich: „Na, wann'st glaubst."
RENATE: Wie ist es weitergegangen? der falschen Klass'. Der Lehrer hat g'sagt, er gibt mir als Technischer Zeichner statt an „gut" a „sehr gut",
TONI: Da ist a gewisser „Sidlo" kommen, der hat in der weil ich eingerückt war und i hab' g'sagt: „Wieso als Gartenstadt ein großes Lokal gepachtet und hat uns Technischer Zeichner, i bin Bauzeichner"; sagt er: „Da g'fragt, ob wir net bei ihm anfangen wollen. Wir haben hättn's ja in die andere Klass' g'hört." Dann hab' ich's uns dann z'sammg'redt und i hab' g'sagt, unter aner dort a noch amoi g'macht. Bedingung spiel' ich, wann a Dritter dazu kommt. Weil des Lokal sehr groß war. Und der Schicketanz hat dann
RENATE: Welche Berufe hast Du ausgeübt, bevor Du g'sagt: Der Reinberger, der bei mir in der Partie spielt, Deinen wohl wirklich nicht erlernbaren - also den eines der heiratet jetzt und braucht eh a Geld. Dann hab'n Komikers - ausgeübt hast? ma die erste Probe g'macht und so ist der Reinberger dazugekommen.
TONI: Du, des war'n 10 bis 15. Ich bin hamkummen, war Kunstmaler, hab' bei de G'scherten die Weinkeller aus- gemalt, dann war i bei der Versicherung - Vertreter für Lebensversicherungen -, Totenvogel hab'n wir damals dazu g'sagt. Da hab'n zuerst alle Freund g'halten und nach an Monat habn's es wieder zurückgelegt. I war Traktorführer, dann bin i ins Technische Büro, dann bin i ins Ölgebiet, hab' die Bohr- und Fördermeister- prüfung g'macht und war dort Fördermeister und zwi- schendurch alles, was Geld gebracht hat.
RENATE: Ward ihr da schon die 3 Spitzbuben?
TONI: Ja, weil der Wirt hat g'sagt, geh', schreib' a Pla- kat, daß da Musik ist, a witziges, da is ma ka Namen eing'fallen und hab' i halt hing'schrieb'n die „3 Spitz- buben". De zwar war'n natürlich sehr enttäuscht, weil die wollten an englischen Namen, wie's damals üblich war. Sag' i: „Jetzt hab' i's scho g'schrieben." So sind wir die 3 Spitzbuben geblieben.
RENATE: Mein Vater (Walter LECHNER) war in der Hackhofergasse der Pächter des berühmten Heurigen- lokals von Franz Schier, der leider am Höhepunkt sei- ner großen Wienerliedkarriere an einem Blinddarm- durchbruch unvermutet verstorben war.
TONI: Waß i alles, weil in dem Lokal hätt' ma spiel'n soll'n, nur is' alles anders kommen. Der Krause und der Klein hab'n dann von einem Tag am anderen den Nußberghof kauft und wir hab'n auf der Pawlatschen, mit 500 Leut Fassungsraum, 14 Jahr' g'spielt. Wir hab'n so a Liebe und Freud' g'habt, waren mit dem Lokal so verbunden. Uns hat des so an Riesenspaß g'macht, wir hab'n uns selber gut unterhalten.
RENATE: Ihr habt zigtausende Menschen unterhalten, geht man sich da nicht ab und zu auf die Nerven?
TONI: Ja sowieso, aber des war erst in der letzten Zeit. Vorher war's das Gegenteil. Wir sind sogar jedes Jahr miteinander auf Urlaub gefahren.
RENATE: Wenn man Tag für Tag beim Heurigen spielt und Kabarett macht, wie wird man da mit der Ver-
RENATE: Nach Deinen Erfolgen in der Hackhotergasse wurdest Du selbständiger Gastronom in der Grinzin- ger Straße. Wie lange hattest Du das Lokal?
TONI: 11 Jahre.
RENATE: Deine Frau, die Sissy, hatte damals auch kein leichtes Los. Sie war in der Küche (bekannt unter dem Namen Miß Knödel), hat die Gäste mit Köstlichkeiten verwöhnt, wie funktioniert so eine arbeitsreiche Ehe?
TONI: Sehr gut, wir waren immer zusammen. Ihr hat de Kuchl g'hört, mir hat alles andere g'hört - des war net wenig.
RENATE: Ist sie eine Kritikerin von Dir?
TONI: Nix, überhaupt net. Nein, unser Motto war immer, daß ma g'sagt hab'n, die Frauen soll'n sich net eine- mischen. Bei die Spitzbuben hab'n sich dann Frauen eing'mischt und dann ist es natürlich zu Bruch gangen. Aber die Sissy hat sich nie eineg'mischt, sie hat sich nur immer gewundert über die Musiker.
RENATE: Gehst Du zu Programmen, die „Spitzbuben- charakter" haben und bist Du dann kritisch? suchung Alkohol fertig?
TONI: Schwer, tschechert hab'n wir genug. Wann mich worden. Ich anerkenne die Mühe, denn ich weiß selber, damals einer g'fragt hat: „Wieviel habt Ihr eigentlich daß es nicht leicht ist. Aber Kritik - i hab' höchstens getrunken?", hab' i immer g'sagt: „Der Lange und i Ratschläge gegeben. Sie haben es ungleich schwerer hätten die Alte Donau ausg'soffen." als wir, die das neu rausgebracht haben.
RENATE: Wie sind eure Witze entstanden, war das
RENATE: Weil Du ja unter anderem viele Politiker Situationskomik oder war das geplant? parodiert hast, kannst Du Dir vorstellen, einmal selbst
TONI: Teils, teils. Unser Leitmotiv war, daß wir die gan- einer zu sein? zen Schlager parodierten, mit Maskerl und so kleinen
TONI: Na, na. Da muß i die Vranitzky zitieren, i kann a Hilfsmitteln, und des ist irrsinnig angekommen. net lügen. Des is ka G'schäft für mi, des wa nie ans
RENATE: Wen hast Du am liebsten parodiert? g' wesen.
RENATE: Wie stehst Du heute zum Wienerlied?
TONI: Jetzt zum Schluß den „Sandler".
TONI: Ja, nur positiv, aber die ganzen Voraussetzungen
RENATE: Ich kann mich an Deinen „Hampelmann" sind schlecht. Sie werden's wieder amoi ausgrab'n. noch so gut erinnern, der war auch ein Riesenerfolg! Des Wienerlied ist, i sag halt es ist net zum Umbringen.
TONI: Ja, i hab' den 7 Jahre gesungen, i war scho ver- Aber es wird a net gefördert. Es wird gar nichts zweifelt. Aber da war ma no die originalen Spitzbuben, gemacht. Des verschwindende Häuferl, was da herum da hab'n ma irgendwo im Burgenland g'spielt, auf ein- rennt, die müh'n sich bis zum letzten und die Leut' wer- mal geht de Tür auf, kummt der Rebroff eine - und den ja immer älter. Wennst zu einer Wienerliedveran- jetzt, des Herz muaßt aber a haben, de nächste Num- staltung gehst, siehst ja nur alte Leut' sitzen. A i bin a mer war der „Rebroff" und i hab' ihn parodiert. Alter. Aber für uns sind die Medien nicht gerecht. Die
RENATE: War das Zufall? Medien müßten sich dahintersetzen. Es gibt ja dort Leut', de haben ja überhaupt ka Ahnung von dem was
TONI: Ja, und er ladt mich dann zum Trinken ein und sagt: „Toni, ich habe soviele Parodien von mir gehört, aber das war eine der liebsten. Du hast einen Wunsch frei." Sag i: „Ivan, i hätt' an Wunsch, wann'st amoi a Platt'n machst und du singst nur Lieder was du am liebsten singst, dann schickst mas. Das hat er sich auf- geschrieben. Und vor vier Jahren - da san aber da-
RENATE: Hast Du heute noch Kontakt zum Reinberger?
TONI: Wir haben doch jetzt das Video g'macht. I hab' nie vorher g'sagt, des wird scho was, aber des wird meiner Meinung nach ganz klaß.
RENATE: Es heißt immer wieder, Du hörst auf - was zwischen zehn Jahre oder länger vergangen, krieg ich a Pakl - Konzertagentur Paris -, denk i ma: „Was is' denn des?" Is' a Zettl drinnen: „Lieber Toni, es hat lange gedauert, aber ich habe es nicht vergessen, und jetzt ist die Zeit, ich mache diese Platte, ich habe Dir davon ein Band geschickt." | leg's eine und des erste ist: „Wenn ich einmal reich wär"." Da ist mir dann die Parodie zum „Sandler" eingefallen.
RENATE: Habt ihr den Namen „3 Spitzbuben" jemals geschützt?
TONI: Na, den hat sich der Klein dann schützen lassen. Was hätt' ma sich soll'n schützen lassen. I hab' eh zum Klein g'sagt, i hätt' eahm den Namen geschenkt, er hätt' eahm sich net brauchen schützen lassen, weil wann aner davon stirbt, und des war in dem Fall der Schicke- tanz, werd' ich den Namen Spitzbuben nie verwenden und wannst heut' schaust, gibt's ja schon 30 Spitz- buben, alle war'n bei de Spitzbuben.
TONI: Ich hab' aufg'hört - total!
RENATE: Was willst Du jetzt machen?
TONI: Garnix, i bin Pensionist. I hab' meine Freund. I geh' gern auf den Rennplatz, mei' Frau geht a gern, wir hab' die gleichen Interessen. Des därfst ja gar net sag'n, was de scho alles g'wunna hat, de grabt Pferd aus, de san schon zum Verenden und g'winnen.
RENATE: Was könnte Dich noch bewegen, weiterzu- machen?
TONI: Nichts, gar nichts. Da san Angebote kummen, des kannst da net vorstellen. Na, i hab' g'sagt „aus is" und damit is aus. Leider ist auch das Interview aus Platzgründen aus. Aber auf diesem Weg, lieber Toni STROBL, ganz herz- lichen Dank für die Zeit, die Du geopfert hast - Du bist der Größte für uns!