Renate Lechner plaudert mit... Liebe Augustin-Freunde! Diesmal trifft das Wienerlied auf Rock'n Roll und zwar mit niemand Geringeren als Österreich's offiziellen Botschaf- ter dieses Genres - Andy Lee Lang! Ein Ausnahmekünst- ler, der mit über 60 R&R-Legenden die Bühne teilte und nicht nur sein Publikum sondern u. a. George Harrison, Jerry Lee Lewis, Chuck Berry oder Fats Domino begeis- terte. Über 30 Jahre Bühnenerfolg, 29 CD's, und Andy Lee Lang schafft es immer wieder, sich neu zu erfinden. Ein Entertainer der (sich) abhebt! Renate: Am 26. Juli 1965 hast du in Wien als Andreas Lang das Licht der Welt erblickt. Wie entstand dein Künstler- name bzw. ist das „Lee", eine Hommage an Jerry Lee Lewis? Andy: Eigentlich war es Zufall. Als 6jähriger wurde ich ge- fragt: „Willst du ein Klavier?". Ahnungslos, hab' ich ja ge- sagt. Ich hab' 10 Jahre klassisches Klavier erlernt, und in der Handelsakademie kam ein Gitarrist zu mir und sagte: „Wir suchen einen Pianisten". Meine Frage war: „Was spielt's überhaupt?" und das war Rock'n Roll. Später ha- ben sie mich in einen Film gezerrt, „Die London Rock'n Roll-Show", und dort hab' ich das erste Mal Jerry Lee Lewis gesehen, ich war hin und weg. Als ich mir ge- wünscht habe, im Solo zu beginnen, dachte ich, als Andreas Lang wirst international nicht viel Erfolg haben und ja, das „Lee" war die Hommage an Jerry Lee Lewis, das habe ich dann in meinen Namen eingebaut. Renate: Also du warst ein großer Fan von Jerry Lee Lewis? Andy: Bis auf das erste Aufeinandertreffen, ja. Wenn man die Idole einmal persönlich trifft, können Welten zusam- menbrechen, so war's auch. Andy: Weil er sich zu seinen Fans einfach ganz schlecht verhalten hat. Wir haben viele, viele Konzerte gemeinsam gespielt und wir reden von einem Zeitalter der LP, damals gab es sogenannte „bootlegs", das waren illegale Schall- plattenpressungen meistens von Livekonzerten, wo die Fans ein Vermögen ausgegeben haben und er ist hinter der Bühne gestanden und hat alle zerbrochen und sagte: „No money, no money". Da dachte ich mir: „Freund, wie gehst du mit deinen Fans um". Ich versteh' natürlich, wir Künstler leben heute mit derselben Problematik, der ille- galen YouTube- und sonstigen Videos, weil jeder glaubt, er muss filmen und Konzerte etc. online stellen. Heute sehe ich es auch anders, aber damals waren das die rich- tigen Hardcorefans, die sehr viel Geld ausgegeben haben. Aber Jerry Lee Lewis gilt halt als Verrückter, er ist crazy, aber musikalisch gesehen, war er der Funke, die Initial- zündung um diese Musik zu machen. Renate: 1985 hast du deine erste Band (Rock'n Roll Rats) gegründet, dann folgte die erste CD-Produktion (Back to Rock'n Roll) mit erfolgreichen Eigenkompositionen, jedoch sind die nur auf deinen ersten CD's zu finden. Reizt dich das Komponieren weniger, oder hast du schlicht und einfach keine Zeit dafür? Andy: Auf meiner vorletzten CD waren wieder zwei Songs von mir drauf, ich muss aber sagen, jeder Mensch hat gewisse Gaben und Talente. Ich hab die Gabe Shows auf die Bühne zu stellen und wenn man diese Gabe hat, dann macht man irgendwann das, was einem Spaß macht, und nicht weil ich jetzt ein neues Album habe, dass ich dafür Songs schreiben muß. Alles was man muß, macht man weniger gut. Es gibt klassische Songwriter und glaube mir, ich wünschte es ware anders, ich wünschte, ich ware ein begnadeter Songwriter, weil dann würde ich mehr Tantiemen verdienen. Renate: Seit 1995 bist du mit „The Spirit", als Europas beste R&R-Showband on Tour, wo du deinen Fans so- wohl Ohren- als auch Augenschmaus bietest. Doch deine Mannigfaltigkeit stellst du u. a. auch mit Musicals wie z. B. „Elvis Forever", wo du von den Vereinigten Bühnen die musikalische Leitung und die Hauptrolle übertragen be- kommen hast bzw. dem von den Medien hochgelobten Musical, „Die Wonderboys von Hernois" wo du als Schau- spieler brilliertest, immer wieder unter Beweis. Hast du jeweils unterschiedliche Fans? Andy: Die Vielfalt in meinem Leben ist eine ganz wichtige Komponente für mich. Rock'n Roll war ein Baustein und ein Bestandteil. Man muss aber natürlich sagen, dass ich kein Mensch dieser Generation bin und mir gefällt viel zu viel Musik. Wie immer bestimmten Zufälle oder Bestim- mung mein Leben, denn als mich Rudi Klausnitzer mehr oder weniger mit Nachdruck gefragt hat, „du spielst bei Elvis forever", wusste ich nicht, was das für die Weiter- entwicklung in meinem Leben bedeutet. Damals war die Schauspielrolle sehr, sehr klein, mittlerweile hab' ich ge- rade bei den „Wonderboys von Hernois", das Stück mit einem 2-Minutenmonolog eröffnet. Also das sind schon große Rollen geworden, die ich mir damals gar nicht zu- getraut hätte, weil ich keine Schauspielausbildung habe, aber ich hatte immer großartige Regisseure, die gesagt haben, du brauchst dich nicht verstellen, spiel dich selbst und wenn du in diese Figur eintauchst, dann bist du es und das waren enorme Hilfen. Ich sage nur: „Go west", eine der lustigsten Rollen die ich jemals hatte, ein von einem vom „Burn out" geplagter Musiker, der als Buffalo Bill einen Saloon im Prater rettet. Da sieht man, was Outfit ausmacht, denn kaum hatt' ich die schweren Colts und das Kostüm, bin ich einfach gegangen wie „John Wayne". Das macht Riesenspaß und unterschiedlich Fans - ja - teilweise gibt es Fans die mich mittlerweile schon seit Jahrzehnten begleiten und sich alles anschauen, die froh sind, dass ich vielseitig bin, aber es ist auch ganz klar, daß die Big Band Show vielleicht ein anderes Publikum anspricht als die klassischen R&R-Fans, aber auch da kann ich sagen, sind wir froh, dass es in Österreich Leute gibt die ein breites Spektrum haben, denn über den Peter Alexander hat sich niemand aufgeregt dass er vielseitig ist von einer Quotenregelung, weil ich ein Gegner von Re- und der war für mich so das ultimative Vorbild von Schau- gulierungen bin. Ich mag die EU nicht, weil sie mir Dinge spieler, Entertainer, Sänger, Comedian und er hat einfach auf's Aug' drückt, die ich nicht will. Im Sinne der öster- alles gut gekonnt. reichischen Kulturszene muss ich das leider widerrufen. Renate: Du hast gerade deine 29. CD fertiggestellt. Wel- Ich wünsche mir wirklich eine Quotenregelung, weil die che Gustostückerl kann dein Publikum erwarten? österreichische Kultur seit ca. 20 Jahren getötet wurde. Das hat nicht nur damit zu tun, dass man die Osterreicher Andy: Die war ein langer Wunsch meiner Fans. Eigentlich nicht im Radio spielt, das ist ein kompletter Wirtschafts- wollte ich nach der 28. CD: „Elvis und Andy", die zum zweig. Wir haben keine funktionierenden Managements, 40. Todestag von Elvis erschienen ist, Schluss machen. wir haben logischerweise auch bei den Veranstaltungen Warum? Weil der CD-Markt einfach nicht mehr existent ist Einbußen, es wird nicht transportiert, das ist das Radio und von irgendwelchen Streamings und Downloads kann und beim ORF-Fernsehen, sind wir uns ehrlich, der Kultur- man nicht leben. Aber jetzt hatten die Fans der „Wonder- auftrag des Fernsehens - ich habe als Andy Lee Lang boys-Show" alle „Tränen in den Augen" und ich hab mich keine Chance, irgendwo eine Show zu bekommen. Ich breitschlagen lassen und noch ein Album gemacht. kann zur „Brieflosshow" gehen mit Peter Rapp, das kann Renate: Du bist mit 10 verschiedenen Produktionen on ich alle 2 Jahre und wenn's gut geht, einmal im Jahr in Tour. 2019 wird es wieder ein neues Musical geben in die Schiene: „Guten Morgen Osterreich". Trauriger Istzu- dem du eine Hauptrolle übernehmen wirst, kannst du uns stand, wo man nur hoffen kann, dass die Politik einmal schon mehr verraten? Andy: Ich würde gerne mehr verraten, aber mein Produ- zent und Intendant hüllt sich mystisch in Schweigen. Pe- ter Hofbauer ist ja ein Mensch, der immer wieder sagt, ich hab' da wieder was für dich und was es dann genau wird, ist die Frage. Es gibt jetzt 2 Optionen, es kann sein, dass wir noch einmal die „Wonderboys" spielen, oder ein neu- es Musical, das den Arbeitstitel: Rock my Soul" trägt. Ich lasse mich überraschen, was für mich geschrieben wird. Ich freu mich über alles wenn ich Theater spielen darf. Renate: Bei deiner Vielseitigkeit und Kreativität zeigst du auch Anspruch auf Perfektion. Wie stehst du dazu? Andy: Wäre ich nicht so ein Perfektionist, hätte ich kein Burnout gehabt. Anderseits hätte ich wahrscheinlich nicht das erreicht was ich erreicht habe. Ich stelle die Ansprü- che, die ich an meine Musiker stelle, natürlich auch an mich selbst und ich habe immer versucht, meinem Pub- likum die perfekte Unterhaltung zu bieten. Ich rede jetzt nicht von perfekter Musik, denn Menschen sind wir alle und wir dürfen auch Fehler machen und es ist gut wenn es „menschelt", aber 08/15-Lösungen mit: „es wird schon gehen", das war ich nie. Es hat schon einen Grund war- um manche Leute dort sind wo sie sind und andere eben Renate: Aber du bleibst dir immer treu. Andy: Das ist sowieso das Wichtigste. Auch bei mei- nen unterschiedlichen Bühnengeschichten. Es wird kein Mensch von mir eine Show sehen, wo ich nicht dahinter stehe. Die Leute merken ob etwas ehrlich ist, oder nicht. Renate: Stimmt es, dass du nach deiner 25. sehr erfolgrei- chen Christmas-Show, damit aufhörst? Andy: Ja, aber das betrifft die Stadthalle. Weil ich einfach nicht einsehe, dass ich 22.000 Euro an die Stadthalle ab- liefere. Das Publikum geht sich nicht die schöne Stadthal- le anschauen, sondern die Leute schauen sich den Andy Lee Lang an. So eine Halle darf bei mir 7000 bis 10.000 Euro kosten, dann kommt die Technik dazu etc. Die Leu- te zahlen z. B. 40 Euro bis 100 Euro für ein Ticket und glauben ich werd' reich. Schön wär's; und wenn ich hier veröffentlichen würde, was mir heuer geblieben ist, dann erschlägt mich meine Mutter. Renate: Wie viel Platz wünscht du dir für österreichische Produktionen? Werden deine Songs häufig im ORF ge- Renate: Du hattest bereits ca. 40 internationale Auszeich- nungen, aus den USA z. B. die Awards: „Key of Success", „World Lifetime Achievment Award" und „The Platinum Record for Exeptional Performance". Du wurdest als ers- ter Österreicher in die „American Hall of Fame" aufge- nommen und nur langsam kam man in der Heimat dahin- ter welches Aushängeschild du für unser Land bedeutest und ehrte dich mit dem „Goldenen Verdienstzeichen des Landes Wien", dem „Großen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Niederösterreich" und (erst) 2015 mit dem „Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste der um Republik Österreich". Erfüllt dich das mit Stolz? Andy: Ja, weil vor allem die Auszeichnungen in Amerika definitiv leistungsbezogen waren. Ich wurde um die Ver- dienste der amerikanischen Musik in die American Hall of Fame aufgenommen. Ich musste dann irgendwann erken- nen - komisch - ich hab' Auszeichnungen aus Cambridge, ich hab' Auszeichnungen aus Amerika, nur vom eigenen Land kam nichts. Dann wurde mir gesagt, du brauchst nicht traurig sein, das ist eine Altersfrage. Ausnahmen sind natürlich Sportler. Was ich nicht verstanden habe. Dass ich mittlerweile eine der größten Auszeichnungen der Republik bekommen habe, macht mich schon stolz Wenn du arbeitest, bekommst du viele Dinge nicht mit, und auch die ganze Palette von Stars, mit denen ich auf der Bühne stand oder mit denen ich arbeiten durfte, da kommt man erst bei Interviews drauf, wenn man das Ganze Revue passieren lässt. Denn man darf nie vergessen, ich bin ein Österreicher, ein Wiener, komm aus einem relativ kleinen Land und hab einfach durch Kennenlernen und qualitativ guter Arbeit mit Weltstars zusammenarbeiten dürfen wie z. B. einer Wanda Jackson, die bei mir im Stu- dio stand und als ich g'fragt hab', ob ihr das so gefällt, hat sie gesagt: „No, es ist dein Album, du musst entschei- den ob es dir gefällt". Das sind die wahren Größen in die- sem Business. Vor allem meine Eltern waren stolz, weil die ja kein leichtes Leben mit mir gehabt haben. Die hät- ten sich sicher einen anderen Werdegang für ihren Sohn Andy: In den Landesstudios teilweise ja, Radio Wien in- teressanterweise nicht mehr. Ich war immer ein Gegner Renate: Aber da wir nun bei Auszeichnungen sind, du hast mit deiner überragenden Performance im Vorjahr bei der 19. Wienerlied-Rathaus-Gala derart überzeugt, dass dir ad hoc „Das goldene Wienerherz" überreicht wurde. Wann wurde deine Liebe zum Wienerlied geweckt bzw. hat deine Tante Waltraud Haas, diesbezüglich eine Rolle gespielt? Andy: Das ist lustig, das Wienerlied war immer wieder in meinem Leben, das ist so „The circle of life". Ich hab' sehr spät zu Singen begonnen und was ich dann gesungen habe, war eigentlich Wiener Musik. Ich bin als 13-, 14jäh- riger - da waren meine beiden Urgroßmütter in Pensionis- tenwohnheimen - als kleiner Andy - mit einem Notenpult hingegangen und hab gespielt und zwar Heurigenlieder und Wienerlieder. Das wurde später verstärkt indem ich Horst Chmela kennengelernt habe. Mein Vater hat beim Schuh Schi in Ottakring gearbeitet, der Horstl ist im „Alt Ottakringer Heurigenstadl", aufgetreten und das war so die Verbindung zum „Wiener Blues". Also das modernere Wienerlied mit den Elementen, die der Horstl auch von seinen jungen Rock'n Roll-Jahren mitbekommen hat. Ich hab' oft seine Texte besser können wie er. Das waren viele Nächte, die wir gemeinsam verbracht haben. Dann kam der Schritt zum R&R und es war aus mit der Geschichte. Meine erste Heimstätte war „Papa's Tapas" und die zwei- te der „Starclub Wien". Der Chef sagte zu mir, er macht einen Wienerliedabend u. a. mit Christl Prager und ich hab scherzhalber zu ihm gesagt: „Ja, Wienerlieder kann ich a singen, bau mi ein ins Programm". Das war meine erste Begegnung mit der Christl. Dann waren glaube ich, 20 lange Jahre dazwischen und das Musical „Wien hat den Blues" kam, wo zwar neue Musik geschrieben wurde, aber im Wiener Sound. Jetzt, durch diese Geschichte, hab ich den Victor Poslusny und den Herbert Schöndor- fer angerufen und hab gesagt, jetzt hab ich den Preis und ein Preis soll nicht nur eine Auszeichnung für Leistungen sein, sondern auch ein Ansporn, es weiter zu tun. Wir ma- chen jetzt ein eigenes Programm in Sachen Wienerlied. Aber die Waltraud hat damit eigentlich gar nix zu tun, ich glaub', sie weiß es noch gar nicht. Renate: Mehr als erfreulich ist, dass du am 21. März 2018, an der vom „Verband Österreichischer Textautoren", ini- tiierten Veranstaltung der Wienerlieder Stars im Schwar- zenberg teilnimmst. Was empfindest du beim Interpretie- ren der Wienerlieder? Andy: Es gibt das klassische Wienerlied, das moderne Wienerlied, es geht ganz einfach um den Text und die Wienerlieder sprechen der Wiener Bevölkerung aus der Seele, denn das hat ja alles Hand und Fuß. Man kann es mit der amerikanischen Country Musik vergleichen, es ist eigentlich die Musik des Volkes. So wie jetzt an der Arbeit meines Programms, ich möchte ein sehr sehr wei- tes Spektrum bieten, ein paar Lieder „aus der untern Lad", dann möchte ich in die Wiener Kabarett-Szene eintau- chen, von Qualtinger bis Bronner. Ich liebe z. B. „Gemma Tauben füttern im Park", all das gehört dazu und ich find' das großartig. Renate: Weiters dürfen wir dich bei der Großen Festakade- mie der Vereinigung „Das Wiener Lied" anlässlich des 70. Geburtstags von Christl Prager, am 8. April 2018 im The- ater Längenfeldgasse, bewundern. So wie die Musical- Bühne ein fixer Bestandteil deines Schaffens ist - wird es auch die Bühne des Wienerliedes? Andy: Ja, ich könnte mir schon vorstellen, dass es wieder vermehrt dazu kommt. Ich bin ein Mensch, ich liebe die Vielfalt und ich ehre auch Künstler die vielseitig sind. Auch das Wienerlied ist vielseitig. Man kann nicht sagen, das ist „Das Wienerlied", denn es ist so variantenreich und das reizt mich. Renate: Wenn man so viel erreicht hat wie du, welche Zie- le setzt man sich noch? Andy: Ich sag mal, ich freu mich auf das was kommt, denn es gibt natürlich immer wieder viel zu viele Ideen in meinem Kopf für neue Produktionen, wo man einige ver- werten muss, weil sie nicht möglich sind, wo man einige behalten muss und sie ergeben sich irgendwann, aber im Prinzip ist es kein Planen, sondern ein Arbeiten bis zum Tag X, wo man sagt, jetzt geh ich das an. Ich kann jetzt nicht sagen, was sind meine nächsten 3 Produktionen, weil das kann sich permanent ändern und ich find das ist auch gut so, weil ich solange an dem Ei brüte, bis es fertig ist. Renate: Du bist trotz deiner Erfolge ein natürlicher Zeitge- nosse. Wo siehst du deine Fehler? Andy (lacht): Viel zu viele, ich bin a Häferl, wie man auf wienerisch sagt, ich bin ein Mensch, der sehr schnell ex- plodieren kann, dann ist es für mich aber wieder vorbei, dann hab ich meinen Dampf abgelassen. Den Ehrgeiz bzw. den Perfektionismus haben wir schon erwähnt, ich bin mehr oder weniger ein typischer Löwe. Ich bin gegen Angriffe natürlich auch nicht gefeit, da denkt man darüber nach, und ich bin ein Pünktlichkeitsfanatiker. Renate: Wenn dein Leben verfilmt würde, welcher Schau- spieler würde dich spielen? Andy (lacht): Also allein von der Frisur Bruce Willis. Renate: Abschließend möchte ich dich, als bekennenden Tierfreund bitten uns ein bisschen über dein Lieblingspro- jekt, die Berggorillas in Ruanda zu erzählen. Wie kam es zu dieser Leidenschaft? Andy: Schuld ist eigentlich mein Burn out gewesen. Ich habe ja zweieinhalb Jahre keine Bühne betreten und bevor man mich mit Psychopharmaka vollstopfen konnte, hab ich den Film „Gorillas im Nebel" zum x-ten Mal gesehen und hab wie immer meinem Bauchgefühl nachgegeben und mir gesagt, da fahr ich jetzt hin. Ich hab schon oft von Zufällen und Bestimmungen in diesem Interview ge- sprochen, es ist nun mal so in diesem Leben. Ich hab ein österreichisches Tierärzte-Ehepaar kennengelernt und die hatten da unten schon einen Fuß in der Tür und hab' ge- sagt, OK, was können wir tun und wir haben enorm viele Projekte geschaffen. Es wurde durch meine Benefizkon- zerte und meine Fundation, der allererste Park Ranger von Ruanda auf eine internationale Ausbildung geschickt. Dann haben wir der Bevölkerung die in den umliegenden Gemeinden wohnt Zisternen gebaut, haben ihnen erklärt, dass der sanfte Tourismus die Einnahmequelle ist. Das kann nur im Sinne und mit der Bevölkerung geschehen und das wurde Gott sei Dank auch hier genial erkannt. Mein letztes Proiekt das in Schulen (die Kinder wussten ja gar nicht was sie in Ruanda für einen Schatz der Natur haben) jetzt ein zweisprachiges Buch erschienen ist, über die Berggorillas, was ebenfalls von uns finanziert wurde und viele weitere Projekte. Ich kann mich erinnern wir haben gestartet, da war die Zahl der Berggorillas bei ca. 700, jetzt sind wir bei ca. 900. Da sieht man, wenn man Tiere in Frieden lässt, da braucht man gar nicht viel dazu tun, sondern die sollen ihren Lebensraum haben und wir sollen ihnen Ruh' geben und das ist so wichtig und richtig. Lieber Andy, ich zieh den Hut vor dir und danke dir sowohl für das wunderschöne Interview als auch für die ehrlichen Einblicke in dein Leben. © Renate Lechner