PUT HIZUO ... AUWA HALLO Renate Lechner plaudert mit... Liebe Augustin-Freunde! In dieser Ausgabe darf ich mit dem liebenswerten Austro- pop-Unikat, Ulli BÄER (geb. am 26. April 1955 in Wien), einem Vollblutmusiker, der in der österreichischen Szene von: „Legende über Dinosaurier oder Urgestein" bekannt ist, plaudern. Klassiker der heimischen Szene wie: „Der Durscht", „Schönes Madl", „Verkrampf di ned" Lichter" u. v. m. stammen nicht nur aus seiner Feder, son- dern werden heute noch mit dem „BÄEREN" assoziiert, die er seinerzeit (zu meiner Zeit) als Frontman unnach- ahmlich interpretiert hat. Sein größter Wunsch von jeher war Musiker zu werden, und das ist ihm aber so etwas von gelungen! Nun aber, „HUI", Ulli du bist dran ... Renate: Da wir eine Wienerliedzeitschrift sind, lass uns mit deinem „Seitensprung" zum Wienerlied, mit der Produk- tion „Wien auf der Zungenspitze" die du in der Formation „ULLI BAER & die Vorstadtgfraster" hattest, beginnen. Wie stehst du zum Wienerlied? Ulli: Ich bin mit Musik aufgewachsen, nicht speziell mit dem Wienerlied, aber ich weiß, dass ich bei meiner Oma in der Gschwandnergasse im 17. Bezirk sehr viele Wie- nerlieder gehört hab' und die sind mir nach so vielen Jahr- zehnten wieder eingefallen. Ich werd' nie vergessen: „Wir bitten zum Tanz", ein legendärer Film mit Hans Moser und Paul Hörbiger, „Ich trag' im Herzen drin", des Liad'l hat mi schon als Bub fasziniert, das ist auch auf der CD d'rauf, und da bin ich sehr stolz, dass ich mich 'traut hab' das Lied zu singen, denn des is ned afoch des Liad. Na klar, jeder sagt: „der oide Bäer, der schwaßt auf seine 6 Saiten umadum, und macht an unhamlichen Krawäu", aber man hat doch, wenn man in Wien - und so wie ich in Hernals - aufg'wachsen ist, einen unhamlich tief'n Bezug zur Wie- nerstadt und zum Wienerlied. In erster Linie werd' ich im- mer ein „Rock'n Roller" sein. Dabei muss ich sagen ich bin gar kein echter Wiener, ich bin ein Emigrantenkind. Mei Mama und mei Oma san in die 50er Jahre von Graz nach Wien emigriert und ich bin do hoid „plopp", in der Semmelweißklinik g'schlüpft. Ich sag' immer: „Da bin i z'haus, da g'hör i her - und i glaub ned, dass wo anders besser wär, da war i jung, da war i oid, obwoi i mi oft frag was mi da wirklich hoit". Es ist ein Heimatgefühl - Wien ist mei' Heimat! Renate: Wie war deine musikalische Ausbildung? Ulli: I hab' ein Jahr Gitarrenunterricht gehabt, des war's dann a schon, weil ich dem Gitarrenunterricht nicht gerecht wurde und entschieden hab, dass ich die Gitarre an- ders lernen wollte. Dann hab ich 3 Jahre Klavier gelernt, was auch etwas gebracht hat, denn bei meinen Produk- tionen konnte ich alle Keyboards selber spielen. Ich war ein Internatsschüler - hab' in Kalksburg maturiert - und dort gab es so viele Kapellen und i wollt in jeder mitspiel'n. Ich hab' ma damals a elektrische Gitarre g'wunsch'n und mei Mutter hat g'mant, a viersaitige Gitarre wird ja wohl reichen und was hat's ma g'schenkt, a Bassgitarre. Was ja in dem Sinne gar kein Fehler war, weil ich konnte damals in allen Bands spielen, und da hat's viele geb'n. Keiner wollt' Bass spiel'n, alle wollten nur auf der elektrischen Gitarre herumfudeln und i hab Bass g'spielt. Das Einzige, was ich heute aus tiefstem Herzen bereue, dass i des Noten- lesen auslassen hab, weil i z'faul war. I bin a Gehör- musiker. Viele Jazzmusiker belächeln mich, is' ma aber a Renate: Soweit ich weiß, hat dich Karl Hodina sehr faszi- niert? Ulli: Ich hab den Karl Hodina kennenlernen dürfen, hab' seine Lieder singen dürfen, wo i mi' heut' noch manch- mal d'rüber trau', „'s Vogerl am Bam", des is' für mi eines der Wödmasterliader, wo i sag': „i bin stolz d'rauf, das i es heute no manchmal interpretieren darf". Denn - ich werde ihm NIE gerecht werden - Gott hab ihn selig - und ich glaube nicht einmal an Gott - ich glaube an Musiker, ich glaube an Freunde, ich glaube an Karl Hodina. Ich bin vor'm Hodina Karl gekniet und hab g'sagt: „bitte entschui- dige, dass ich des Vogerl am Bam, so interpretier wie's i g'spür", und er ist mir damals um den Hals g'falln und i hab mi' so g'freut, i war stolz d'rauf. Des is' etwas, was i nie vergess'n werd'. Renate: Ein Dauerbrenner in meinen Interviews ist, zu be- mängeln, wie Medien mit den österreichischen Künstlern, egal welche Richtung, umgehen. Der ORF schickt Millio- nen an Tantiemen ins Ausland und ignoriert unser Kultur- gut. U. a. mit den Worten, dass dies nur eine zu „vernach- lässigende Minderheit" interessiert. Deine Meinung dazu? Ulli: Es gibt ja schon etliche Stellungnahmen zu diesem Thema von mir und da bleib i dabei, es ist a Sauerei. Das hat sich ja schon in den 80er entwickelt, wo der Herr Bog- dan Rošcic, ehemaliger O 3-Chef gemeint hat, O 3 wäre nicht zuständig dafür, österreichischen Autoren, Kompo- nisten oder Interpreten die Pension zu sichern. Da hat's mir die „Hauptkabeln auftrieb'n", weil i mir überlegt hab', sie sind sehr wohl bereit, Millionenbeträge ins Ausland zu transferieren, weil sie meinen, die Musik, die sie auswäh- len, das ist die Musik, die die Leut' interessiert. Das ist seit Ewigkeiten so, dass das von einer deutschen Agentur ge- steuert wird, dem österreichischen Publikum einzureden, was sie hören dürfen bzw. müssen. Es ist eine Ignoranz von unserem öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Renate: Deine Combo „The Boys from Hairnoise", mit der du Blues und Rock'n Roll der 60er und 70er Jahre auf die Bühne brachtest, waren die, die Vorlage zu dem Musical „Die Wonderboys von Hernois", in dem Andy Lee Lang als Schauspieler auf der Bühne stand? Ulli: Nein, das eine hat mit dem anderen gar nix zu tun. Die „The Boys from Hairnoise", ist a Trupp'n, ich glaub im 1992 hab'n wir Krawäu g'macht, des ist ganz was anderes, als der Andy Lee Lang und die Wonderboys. Das kannst nicht einmal annähernd damit vergleichen. Ich steh' auf „Andy Lee Lang and the Wonderboys". Ich kenn' den Andy schon so lang, er ist a Supertyp. Der Bot- schafter des Rock'n Roll und der spielt: „auwa hallo - but hello"! | hob' no nie in Las Vegas g'spü't. He was there - anyway and I'm very proud of him. Renate: Kommen wir nun zu der unausweichlichen Frage über deine Zeit mit Austria 3. Ihr habt z. B. am Donauinsel- fest vor 300.000 Leuten gespielt. Welche Erinnerungen, verknüpfst du heute noch mit dieser Zeit? Sind da nicht manchmal die Emotionen durchgegangen? Ulli: Das war die schönste Zeit in meinem Leben, die 14 Jahre mit Georg Danzer und die 9 Jahre mit Austria 3. Weil wir Geschichte geschrieben haben. Na sicher war's emotional, „auwa hallo"! Am 10. Dezember 1997 im Thea- ter an der Wien hab'n wir angefangen und g'angen ist's bis 24. Juli 2006 in Altusried. Dann hat mich der Georg damals no ang'rufen, dass er die Diagnose Lungenkrebs hat, und da war klar, es wird nimmer so funktionieren wie's amoi war. Und ich bin sehr froh und sehr stolz, dass wir, mit WIR 4, eine berühmte Nachwuchskapelle oder wie an- dere sagen - ein Vetranentreffen - dass wir dieses Liedgut nach wie vor in würdigster Weise pflegen dürfen. Renate: Wie entstand Austria 3? Ulli: Der Rainhard Fendrich hat damals durch einen blind- wütigen Zufall eine Doktorarbeit einer Freundin seines Bruders, dem Harald Fendrich, in die Hand bekommen, wo es um Obdachlose in Wien gegangen ist. Hat das g'les'n und hat g'mant da muss was g'scheh'n. Er war ja damals schon mit dem Wolfgang Ambros dick befreundet und wusste darüber hinaus dass der Wolfgang mit dem Georg schon seit Jahrzehnten dick befreundet ist. So haben sich die 3 im Sommer 1997 in Mallorca getroffen und hab'n beschlossen, wir mach'n Austria 3. Renate: Die Burschen: „Ambros, Danzer, Fendrich", wa- ren sicher nicht einfach. Jeder für sich ein Unikat, die in deiner Aufgabe als Kapellmeister, durch all die Jahre zu- sammenzuhalten war sicher eine Herausforderung. Magst ein bisserl aus dem Nähkästchen plaudern? Ulli: Da gibt's sehr viel persönliche G'schicht'n. Aber wer die 3 Platzhirsch'n (Original Ulli: die 3 „ELVISE") kennt, weiß, da hat's sich's manchmal abg'spielt, aber immer auf eine respektvolle Art. Die 3 haben immer schon einen Ho- cker auf der Bühne g'habt; und i hatte immer das G fühl, zentimeterweise geht a jeder mit seinem Hocker a Stück'l nach vor. I hab ma manchmal denkt, wann foit der erste vur'n von der Bühne obe. Aber das muss man sich schon vorstellen, jeder ein Alphatier und trotzdem untereinander, miteinander aufs Tiefste befreundet. Klar hab'n sie sich Z'sammraufen müssen, aber wie man sieht, es hat funktio- niert. Wir hab'n zwar a Liste g'habt was ma spiel'n, aber die Band hat ned g'wußt, was foit denen da vurn' jetzt wortspendenmäßig ein. Da hat sich vü abg'spielt und es Renate: Hat dir das nicht weh getan, dass du in der 2. Reihe gestanden bist? Ulli: Überhaupt ned, im Gegenteil, i sag ja - das war meine schönste Zeit. Ich hatte ja Hits in meinem Leben, aber ich wollte eigentlich nie vorne sein. Mir hat die Zeit wo ich hinten gestanden bin vü besser g'falln. Weil ich einfach dienen konnte. Des is des schene. Ich werd' nie verges- sen, 27. Juli 1998, Donauinselfest, 300.000 Leute, wannst auf die Bühne gehst und du waßt, du host wos g'schofft und alle san z'friedn, dann waßt, du hast was weiterbracht Renate: Du hast 14 Jahre mit dem unvergesslichen Georg Danzer musiziert, der dir (und uns) sicher heute noch fehlt. Was verbindet dich so intensiv mit ihm? Ulli: Wenn du mit einem Mann wie dem Georg Danzer zu- sammenarbeiten hast dürfen, seine Freundschaft genos- Café-Restaurant Schutzhaus „Am Ameisbach" Pächter Josef Haslinger 1140 Wien, Braillegasse 1-3 • Telefon und Fax 914 61 55 www.schutzhaus-ameisbach.at Montag und Dienstag Ruhetag Milece von 1.30 Gar bis 1.30 3 Uhr Großer schattiger Gastgarten • Festsaal für 250 Personen Autobus 51A • Station Braillegasse sen hast, is' des schwer zu erklären, es war so intensiv. Du därfst ned vergessen, ich hab mit dem Georg in der 14 Jahren so viel Konzerte g'spielt die manchmal bis zu dreieinhalb Stunden gedauert haben. Ich hab so viel von ihm gelernt, Bühnenverhalten, wie man mit den Leuten spricht usw. Er war ja ein Poet, er hat nicht nur Texte und Moritaten geschrieben, er hat moderiert, er hat G'schich- ten erzählt wo ich manchmal so gefesselt war, dass i mir dacht hab' was ist ihm da wieder eing'fall'n. Wir haben Renate: Allein deine Bemühungen um österreichische Musiker, die du in deinen Workshops gefördert hast, zeichnen dich aus. Was hast du den aufstrebenden Künst- lern am Weg mitgegeben bzw. würdest du als notwendige Eigenschaft (außer Musikalität) in der Branche sehen? Ulli: Es gibt nur ein Überwort - MITEINANDER! Sich sel- ber zurücknehmen und ned wichtig nehmen. Miteinander versuchen etwas Konstruktives etwas Schönes auf die Beine bzw. Bühne zu stellen was von oben obe'kippt und obe'schwappt auf de Leut'. Es gibt genug Beispiele wo des a funktioniert. Renate: Du gehörst zu den gefragtesten Live- und Studio- musikern Österreichs und hast in so vielen renommierten Gruppen musiziert, das würde ja schon meinen verfüg- baren Platz in Zeitung füllen. Wo hast du dich am besten aufgehoben gefühlt? Ulli: Zu meinem jetzigen Zeitpunkt und wir haben heute den 30. August 2018, bei mir selber. Weil ich doch inzwi- schen d'raufkommen bin, dass ich für mich selber so Vie- les und so viel Gutes getan hab', dass ich d'rauf stolz sein kann. Aber es gibt doch Leute, und da kommen wir wieder auf Georg Danzer. Er war ein wichtiger Moment in meinem Leben, weil ich selber einmal Solist war und irgendwann bin i d'raufkommen i hab' als Solist auf der Welt nix verlur'n. Ich bin jetzt mit Gert Steinbäcker unter- wegs, wo es so ein wunderschönes Gefühl ist, einem Men- schen gerecht zu werden der ein Weltklasse-, ein Super- bursch ist, der in einer Mördertrupp'n wie STS gespielt hat, die es heut leider nimmer gibt, der auf einmal drauf kommt, dass er mich haben will, was gibt's denn Schö- neres im Leb'n. Wenn du's soweit bringst, alle sind happy alle sind glücklich. Lieber Ulli, ich bin happy und glücklich, dass ich dieses Gespräch führen durfte und könnte dir stundenlang, mit deiner witzigen, g'scheiten und bescheidenen Art zuhö- ren. Dankbare und demütige Grüße „BUT HELLO ... AUWA HALLO - hui" ©Renate Lechner