Renate Lechner plaudert mit... Liebe „Augustin-Freunde"! Wie bereits im ersten Interview angekündigt, möchte ich Ihnen Menschen näherbringen, die ein „Herz für's Wienerlied" haben. Das sind nicht nur bekannte und beliebte Interpreten, sondern auch aktive Förderer, die vielleicht nach außen hin dem Publikum dieses Genres weniger bekannt sind. Heute habe ich die Freude, daß sich eine junge, dynamische Musikverlegerin, Frau Vivi KRUPKA, Zeit genom- men hat, über ihre Beziehung zum Wienerlied zu plaudern. Vivi Krupka, die Enkelin von Frau Edith HOCHMUTH, der wohl elegantesten Verlegerin, die immer Außergewöhn- liches für das Wienerlied leistet, tritt in deren Fußstapfen und führt die Arbeit fort. RENATE: Ein Wahlspruch des HOCHMUTH-EBERLE- Wir alle, Komponisten, Texter, Interpreten, Verleger und Verlages lautet: „Wir haben ein Herz für's Wienerlied". vor allem die Konsumenten, müßten gezielten Druck Edith Hochmuth ist immer darum bemüht, und scheut auf die Medien ausüben, um das bestehende eklatante auch keine Kosten, das Wienerlied zu fördern. Wie Ungleichgewicht wenigstens etwas in Richtung heimi- schaut das bei Dir aus? scher Produktionen zu verändern. Wir haben viele Talente, doch man muß ihnen Raum geben, sich entfal- VIVI: Ich betrachte den Geist, die Ideologie, die mit ten zu können. unserem Verlag verbunden ist, als mein Erbe, welches ich mitbekommen habe. Dementsprechend werde ich RENATE: Vielleicht eine Information für unsere nicht mich um's Wienerlied kümmern wie mein Großvater, branchenkundigen Leser. Was macht Euer Verlag? Josef Hochmuth, und nachfolgend meine Großmutter. VIVI: Die Werke, die uns in Form von Manuskripten oder Zur Zeit betreut in erster Linie noch immer meine Groß- Kassetten angeboten werden, werden von uns - das mutter das Wienerlied. sind meine Großmutter, unser Lektor und ich - nach RENATE: Hast Du selbst für diese Musikrichtung etwas ihrer Verwertbarkeit hin beurteilt. Ein Werk sollte nicht übrig und hörst Du Dir Wienerlieder an? nur vom Text her qualitativ ansprechend sein, sondern es sollte auch ins Ohr gehen. Wir wählen Werke aus, VIVI: Mir gefallen Wienerlieder sehr gut und es gibt von denen wir glauben, daß sie beim Publikum ankom- viele wunderschöne, die ich sehr gerne höre. Leider men. Wir drucken die Noten, die dann gratis je nach gibt es auch sehr viele, die nicht unbedingt als hoch- Musikrichtung an 500 bis 1500 Musikeradressen ver- wertig zu bezeichnen sind. schickt werden. Außerdem kümmern wir uns um eine RENATE: Findest Du, paßt es noch in die Zeit, ist es Tonträgeraufnahme, organisieren die Finanzen und küm- noch zeitgemäß? mern uns um die Promotion in Rundfunk und Fernsehen. VIVI: Ich finde, das Wienerlied ist ein wichtiges Kultur- RENATE: Kannst Du leicht „nein" sagen bei angebo- gut, welches genauso unverzichtbar zur Stadt gehört tenen Werken? wie die Sängerknaben, der Heurige oder die Stephans- VIVI: Es fällt immer schwer, aber manchmal muß es kirche. RENATE: Aber für dieses Kulturgut wird zur Zeit sehr wenig unternommen. Wie siehst Du das? VIVI: Das ist leider richtig, aber ich hoffe, die Zeiten werden sich ändern und das Wienerlied bekommt wie- der eine Chance, besonders bei der Jugend. Beispiel hiefür sind Interpreten und Urheber, die den richtigen Weg bereits gefunden haben, wie zum Beispiel Karl Hodina, Horst Chmela, Jazz-Gitti. Das moderne Wiener- lied sollte dem Inhalt und der Zeit angepaßt sein. RENATE: Habt Ihr von Eurem Verlag aus Einfluß auf die Medien in Richtung Wienerlied? VIVI: Wir bemühen uns genauso wie sich die A.K. M., Austro-Mechana oder andere Institutionen dafür einset- zen. Doch letztlich liegt alles in der Hand des Rund- funks, der darüber entscheidet, ob heimisches Kultur- gut gefördert wird, oder - wie dies zur Zeit der Fall ist - die österreichischen Produktionen immer mehr durch ausländische Produktionen verdrängt werden. RENATE: Ihr unterstützt das Wienerlied nicht nur im Sinne von Verlagstätigkeit oder Produktionen. Frau Edith Hochmuth ist Ehrenpräsidentin der Vereinigung Robert Posch. Ihr inseriert bei uns im „Augustin" und unterstützt uns damit. Gibt es noch etwas rund um's Wienerlied? VIVI: Daß es bei uns immer etwas rund um's Wiener- lied gibt, sieht man beispielsweise zur Zeit auch daran, daß Frau Grete HRUBESCH ihren auf Wienerlieder spe- zialisierten RUBATO-Verlag an uns verkauft hat. Dies geschah sicher auch im Hinblick darauf, daß sie meine Zuneigung zum Wienerlied erkannte, um damit sicher zu sein, daß ich Ihre Verlagswerke genauso weiter- pflegen werde, wie ich es mit unseren eigenen tun werde und mache. RENATE: Dein leider viel zu früh verstorbener Groß- vater, Josef Hochmuth, der Verlagsgründer, hat selbst viele sehr schöne Wienerlieder geschrieben. Nenn unse- ren Lesern ein paar Titel: WELTMUSIK DER SCHLÜSSEL ZUM ERFOLG EDITH HOCHMUTH VERLAGSGES.M.B.H. SOUTHERN MUSIC EBERLE-VERLAG JOSEF HOCHMUTH MUSIKVERLAG METROTON SIEGEL & HOCHMUTH VERLAGSGES.M.B.H. A-1190 WIEN, GRINZINGER STRASSE 76 A TELEFON 0222 / 37 15 05 • FAX 37 54 53 - TELEX 135049 VIVI: „Es steht ein alter Nußbaum", „Lieserl, komm her", „Kaffeehäferl-Ländler", In Grinzing gibt's a Him- melstraß'n", Denk Dir, die Welt wär' ein Blumenstrauß" und viele andere. RENATE: Weltmusik, der Schlüssel zum Erfolg, ist eine Tatsache und viele internationale Musikstücke sind bei Euch verlegt. Kannst Du uns einen kleinen Querschnitt geben? VIVI: Unser Verlag besteht einerseits aus unseren Eigenverlagen wie „WELTMUSIK", ,EBERLE-VERLAG", „JOSEF HOCHMUTH-VERLAG", „METROTON", neu jetzt „RUBATO-VERLAG" und aus Gemeinschaftsverla- gen mit ausländischen Partnern wie „SIEGEL-HOCH- MUTH" und „PEER-SOUTHERN-MUSIC" WELTMUSIK vertritt hauptsächlich Schlager und Instru- mentalmusik wie zum Beispiel: „Melancholie", „Ciao, Amici, ciao".. EBERLE-VERLAG, Volksmusik und Wienerlieder, zum Beispiel: „Bergvagabunden", , Mein St. Veiter Dirndl", „Kufsteinlied", „l därf an Wien net denken". , „A klaner Strawanzer", „Schau Dir Deine Freunde gut an". RUBATO-VERLAG, Wienerlieder, zum Beispiel: „Herrgott aus Sta", „Für Di, da tät i alles", Komm zu mir nach Wien". SIEGEL & HOCHMUTH, Schlagermusik wie „Ein biß- chen Frieden", „Dschingis Khan". „Babicka", „Cindy, • Cindy"... PEER-SOUTHERN-MUSIC, Evergreens: „Granada", „La Paloma", „My way", „C'est si bon", Brasil", Guanta- namera". RENATE: Eurem Verlag ist eine eigene Druckerei angeschlossen? VIVI: Ja, die Firma METROPRESS, in der seit mehr als 35 Jahren Herwig Dornaus, mein Vater, Betriebsleiter ist. Die erwähnten Noten, Autogrammkarten, eventuell Plakate oder Cover, werden dort gedruckt. RENATE: Wann bist Du in den Verlag eingestiegen? VIVI: 1978. Ich stehe jetzt in meinem 16. Verlagsjahr. RENATE: Wie teilen sich Edith Hochmuth und Du die Verlagsarbeit? VIVI: Meine Großmutter ist die Finanzchefin, betreut die Wienerlieder und ist zweimal in der Woche im Verlag präsent. Ich bin die Geschäftsführerin und bin täglich im Verlag. RENATE: Wie vereinbarst Du Familie und Beruf? VIVI: Meine Tochter Valentina wird im April 4 Jahre und geht in den Kindergarten. Dadurch ist der Tag ein- geteilt. Der Vormittag gehört dem Geschäft und der Nachmittag dem Kind. Sofern ich nicht einer Veranstal- tung beiwohne, bin ich am Abend und am Wochen- ende für meine Familie da. RENATE: Wie steht Dein Mann, ein bekannter Zahnarzt, zu Deiner Verlagsarbeit? VIVI: Er findet es gut, eine selbständige Frau an seiner Seite zu haben. RENATE: Was hast Du für Hobbys? VIVI: Ich koche gerne und seit ich meine Tochter habe, ist sie mein größtes Hobby. RENATE: Liebe Vivi, auf diesem Weg noch einmal DANKE für das Gespräch, und ein besonderer Dank gilt Frau Edith HOCHMUTH, die Dir als junge Frau die Liebe zum Wienerlied mitgegeben hat. Wir hotfen, daß auch Du Deiner Valentina diese Liebe in die Wiege gelegt hast und damit das Wienerlied Zukunft hat.