Renate Lechner plaudert mit... Es ist mir eine besondere Ehre, mit dem großartigen Schah hat seinen Besuch nach ca. einem Jahr nachge- Allrounder, ehemaligen Generalintendanten des ORF's holt. (1986-1990), Erfinder des Bundesländerfernsehens und RL: In Ihrer Zeit als Generalintendant waren Sie nicht den beliebten Sendungen wie z. B.: (Sport-) „Panora- wirklich auf Rosen gebettet. Sie hatten - wie Sie selbst in ma". , „Seinerzeit" (lief 23 Jahre), „Jolly Joker", „Univer- Ihrem Buch „die große Illusion" beschreiben - „keine sum", „Seitenblicke", Namensgeber der „Zeit im Bild", im Hausmacht, keine Clique weder innerhalb des Hauses legendären „Gutruf", eine gemütliche Plauderei führen zu noch außerhalb, Sie gehörten keiner Partei an, sind dürfen. nicht bei den Freimaurern, nur bei einem burgenländi- Judas Thaddäus „Teddy" Podgorski geb. 19. Juli 1935 schen Fliegerclub". Eigentlich war Ihre Zeit nach Gerhard in Wien, österreichischer Radio- und Fernsehjournalist, Bacher, die Zeit vor Gerhard Bacher. Sehen Sie jetzt vieles Schauspieler, Theaterregisseur und Autor, Entertainer positiver, denn die „große Liebe" war es nicht? TP: Es war vieles positiv. Zwischen uns war ein „großes RL: Wir sitzen hier in der Heimstätte des Helmut Qualtin- ger's und später auch der Ihren. Wenn die Wände spre- chen könnten, würden sie Bücher füllen mit den Künstlern die hier ein- und zur späteren Stunde, wieder ausgegan- gen sind. Gibt es sie noch, die sogenannten „Gutrufia- ner"? TP: Natürlich davon lebt ja das Lokal, das wär schon längst verkauft worden oder hätte in diesem Viertel eine andere Bestimmung, wenn es nicht so viele Stammgäste und die „Gutrufianer" gibt, die dieses Lokal ausmachen und regelmäßig frequentieren. RL: Über Ihre Zeit als Reporter kann man nicht wirklich behaupten, dass Sie Gefälligkeitsinterviews führten bzw. ein streiche/weicher Gesprächspartner waren. Sie haben z. B. Herbert von Karajan in einer Radiosendung als „Afrikaner" bezeichnet (da er aus steuerlichen Gründen seinen Wohnsitz in Tanger hatte), welche Folgen hatte das? TP: Das war die Einleitung zu einer Reportage aus der Staatsoper, die Walküre hatte Premiere. Karajan hat dirigiert und mir hat das gefallen, dass so eine nordische Oper von einem „Afrikaner" dirigiert wird, der er ja damals nominell war. Die hab'n mich dann sofort rausg'haut, weil Programmdirektor Henz in der Direktionsloge saß, was die Sache noch verschärft hat. Ich hab dann bei Karajan einen Termin bekommen und wir haben uns ausgeredet, er hat interveniert und ich habe wieder weitergearbeitet. RL: Legendär ist Ihre kritische Reportage über den Iran. Danach hat der Schah von Persien seinen Staatsbesuch abgesagt und Aufträge der österreichischen Industrie wurden vom Iran storniert. Welche Konsequenzen hatte das für Sie? TP: Damals hat mich hat Fernsehdirektor Freund zu sich rufen lassen (mit dem ich Zeit im Bild" begonnen habe) und hat zu mir gesagt: „Wissen's i muss Sie jetzt ausse- haun", hab i g'sagt: „warum?" hat er gesagt: „na, sonst haun's mi ausse!", hab ich g'sagt: „na das seh' ich ein". Aber dann war ein großer Aufstand unter den Journalis- ten, es gab eine parlamentarische Anfrage, Kreisky war Außenminister, der hat dem Freund g'sagt: „naja, aber er hat ja eigentlich recht" - also, ich wurde nach ungefahr 4 Wochen wieder aufgenommen im Fernsehen und der Missverständnis", und zwar das Humorgefälle zwischen Salzburg und Wien. Er hat überhaupt keinen Schmäh g'habt. Ich versteh unter Schmäh ned Schmähführen, sondern Sichtweisen oder eine gewisse Selbstironie. Es war eine Weihnachtsfeier, Gerhard Weiß hat dem Bacher einen schönen Kupferstich geschenkt „der Küniglberg um 1808". Bacher hat das herumgezeigt, voller Stolz und ich hab halt g'sagt: „schön! Damals war's halt noch schön da". Na der hat er einen Tobsuchtsanfall kriegt, Ich hab das als Witz gemeint. RL: Krawatte und Bart waren damals auch ein Thema? TP: Ja, das war ein Skandal, ich war der erste Reporter - in Salzburg bei glühender Hitze - der eine Moderation g'macht hat, im Hemd mit offenem Kragen. Undenkbar zu dieser Zeit, ein Reporter im Fernsehen, ohne Krawatte. Bacher hat sich aufgeregt, und das war der Grund dass ich dann überhaupt keine mehr getragen hab. Genauso wie er verboten hat, dass man einen Bart hat - also das find ich als Frechheit - i hab mir sofort einen Bart wachsen lassen. RL: Prinzipiell war der ORF aber ein „Baby" von Ihnen. Sie haben an den Wurzeln begonnen und einschneidende Sendungen kreiert. Fällt es einem dann nicht schwer, das „Baby" loszulassen? TP: Nein, überhaupt nicht. Ich bin in dieser Beziehung wirklich nicht sentimental. Es hat mir nur Leid getan, ver- schiedene Leute nicht mehr so oft zu sehen. Aber das Unternehmen an sich, berührt mich nicht. Weil der Bacher einmal über den ORF gesagt hat: „die größte Liebe mei- nes Lebens", das ist so wie wenn ich sag: „die Gebiets- krankenkasse ist die größte Liebe meines Lebens". RL: Derzeitige Fernsehformate bestehen großteils - pauschal gesagt - aus Kochsendungen, dazu kommen voyeuristische Talksendungen und es wird immer seichter. TP: Das Fernsehen ist ein Vielfraß - man kann gar nicht so viel produzieren, als man brauchen würde, d'rum sind ja auch dauernd diese Wiederholungen. Was immer ich mir anschaue - hab ich schon gesehen. Es ist halt einmal so, dass die Kultur nicht so viel Quoten hat wie ein Länder- match. Hier den Ausgleich zu finden, wird immer schwe- rer. Wenn ich jetzt für viel Geld eine Sendung erfinden sollte, wo eine Welle des Wohlwollens durch's Land geht, dann hätt ich das schon längst an den Mann gebracht. Es würden mir viele Sendungen einfallen, aber kein Massen- programm. RL: Massenprogramm haben Sie mit „Seinerzeit" ge- schaffen. TP: Es waren viele Zuschauer, es war etwas Neues; weil es nämlich etwas Altes war. Ich war der Erste im deutsch- sprachigen Raum, der die alten UFA-Stars wieder aus- grab'n hat. Mit dem Hans Söhnker, der Ilse Werner, dem Ex-Bundeskanzler Schuschnigg usw. hab ich Interviews gemacht. Das war ja frappierend für das Publikum, das die alle noch am Leben sind, und mit diesen Ausschnitten usw. war das Publikum natürlich sehr zufrieden und faszi- niert, weil sich jeder an die Zeit erinnern konnte. RL: Mit Einführung der „Seitenblicke" brach damals ein Sturm der Entrüstung los. Mit welchen Gefühlen sehen Sie das, wenn sich heute die damaligen Kritiker darum reißen nur kurz mal an einer Kamera „vorbeizuschweben"? TP: Ja, so wie der Heller, aber jetzt werden die Seiten- blicke leider vom ORF missbraucht, indem sie das als Promotionsendung für eigene Aktivitäten verwenden. Das ist nicht der Sinn der Sache. Der Sinn der Sache wäre von Anfang gewesen, eine nicht verletzende sondern leicht ironisierende Berichterstattung über die „Bussige- sellschaft". Aber das ist weitgehend verloren gegangen. RL: Sie sind ja wie man neudeutsch sagt: „back to the roots". Waren Sie anfänglich bereits auf diversen Thea- terbühnen wie Volkstheater, Theater der Jugend, Statist an der Burg usw. Später als Filmschauspieler wirkten Sie u. a. im „Bockerer" als Gestapo-Agent Pfalzner mit (Zitat daraus: loss eam, loooooss eam, des is a unbeschreib- licher Trott'l). Heute agieren Sie im Theater an der Josefstadt, den Wiener Kammerspielen, Salzburger Festspielen, Pariser Staatsoper und u. a. bei den Seefestspielen in Mörbisch, sind ein genialer Frosch in der Fledermaus usw. Also vom Zurücklehnen und Garten genießen halten Sie nicht viel? TP: Nein, mach ich eh. Urlaub mach ich in unserem Häus- chen am Mondsee da bin ich den ganzen Sommer und im Burgenland hab ich a bisserl besseres Badehaus. RL: Das Wienerlied hat ja seit Heinz Conrads, dem „Seniorenclub" oder auch in Ihrer Sendung „Seinerzeit", im Fernsehen keine Plattform mehr. Wäre das für Sie als Kämpfer, der dazu tendiert in Vergessenheit Geratenes zu kultivieren, nicht ein Anreiz eine kontinuierliche Sendung für dieses Genre zu kreieren? TP: Es hat einmal im Fernsehen eine Sendereihe gegeben sehr prominent besetzt, die Karl Merkatz mit einer Rah- menhandlung präsentierte. Da waren Adi Hirschall u. a., die eine Menge Wienerlieder gesungen haben. Ich mach jetzt eine kleine Sendung über Erich Meder, aber sonst muss ich schon sagen, sind Wienerlieder auf die Wiener RL: Abschließend möchte ich nur einige Ihrer beein- druckenden Auszeichnungen aufzählen: Romy-Preisträ- ger, Goldene Kamera (für Panorama), Bambi, Goldener Ring von Lausanne, Sport-Oskar, Großes Ehrenzeichen des Landes Steiermark, Großes Ehrenzeichen für Ver- dienste um die Republik Osterreich, das Große Goldene Ehrenzeichen der Stadt Wien. Zwei typisch österreichische Auszeichnungen vermisse ich, den Goldenen Rathausmann und den Professoren- titel. TP: Goldener Rathausmann ja. Professor nein, den habe ich abgelehnt - will ich nicht. RL: Herzlichen Dank