Renate Lechner plaudert mit... „Wenn künftige Generationen zurückblicken, dann blicken sie auf unsere Kultur - sie ist es, die in Erinnerung bleiben wird" (Andreas Mailath-Pokorny) In dieser Ausgabe beantwortet Mag. Dr. Andreas Mailath- Pokorny, Stadtrat für Kultur, Wissenschaft und Sport der Stadt Wien, für unsere LeserInnen einige Fragen rund ums Wienerlied. RL: Von 1996 bis 2001 leiteten Sie im Kabinett des Bun- deskanzlers (unter F. Vranitzky) die Sektion für Kunstan- gelegenheiten und seit 2001 üben Sie die Funktion des amtsführenden Stadtrates für Kultur, Wissenschaft und Sport aus. 20 Jahre für die Kunst in allen ihren Facetten. Von Ihren vielen umgesetzten Projekten erfüllen Sie sicher etliche mit Freude, würden Sie unseren Lesern einige nen- nen? MP: Da sind sicherlich die Neupositionierung des Wien- Museums, das Etablieren des Bereichs der Erinnerungs- kultur, die Theaterreform mit der endgültigen Positio- nierung des Theaters an der Wien als Opernhaus, die Neuaufstellung der Film- und Kinoförderung, die Projekt- initiative Kunst im öffentlichen Raum - um nur einige zu nennen. Auch die „Wiederentdeckung" des Wienerliedes fällt sicherlich in diese Zeit! RL: Ich bin beim Stöbern durch Ihre mannigfaltigen Pro- jekte u. a. auf ein interessantes Kulturangebot gestoßen. „Go for Culture", soll die Vielfältigkeit des Kulturlebens unserer Stadt, Lehrlingen und Jugendlichen um wenig Geld (bzw. gratis) näher bringen. Könnten Sie sich vorstel- len, dass auf dieser Plattform auch das Wienerlied einen Platz finden könnte um der Jugend auch dieses Genre an- Stadt im Vergleich mit anderen Metropolen ungewöhnlich lang. Denn in Wien soll Kunst, Kultur und Wissenschaft ohne finanzielle Barrieren für jedermann zugänglich sein. Das garantiert den allgemeinen Wissenstransfer, aber das persönliche Entdecken neuer Kunst- und Kulturströmun- gen, für die man gegebenenfalls kaum Geld ausgegeben hätte. RL: Der Untergang des Wienerliedes wird ja bereits jahr- zehntelang beklagt. Aber trotz des „Totsagens" erinnert es an den bekannten „Wurschtel, den kana daschlog'n kaun". Sind Sie der Meinung, dass dem Wienerlied genug Aufmerksamkeit durch Medien und öffentliche Veranstal- tungen geschenkt wird? MP: Das Wienerlied lebt nicht durch Medien oder öffentli- che Veranstaltungen, sondern durch seine Protagonisten. Und davon gibt es eine ganze Menge, wie verschiedene Festivals eindrucksvoll belegen. RL: Was verbinden Sie persönlich mit dem Wienerlied? MP: Heimatgefühl, Freunde und auch ein wenig Melan- cholie. RL: Künstler sind nicht immer komplikationsfrei, gibt es besonders heitere Anekdoten, die Sie für uns revuepas- sieren lassen würden? MP: Als ich als junger Stadtrat Karl Hodina einen Golde- nen Rathausmann überreichen wollte konterte er auf mei- ne Anfrage: „Das ist sehr nett, aber der, den ich vom Herrn Bürgermeister bekommen habe, ist viel größer!" RL: Eines Ihrer wichtigsten Anliegen ist der leichte Zugang zu Kunst und Kultur. In der von Ihnen herausgegebenen Broschüre „Gratis, aber nicht umsonst", findet man viele MP: Was spricht dagegen? Die Arbeit für die Stadt Wien verpflichtet dazu, Menschen zusammenzubringen. Das Kulturgut „Wienerlied" leidet sicherlich darunter, dass es bei jüngeren Generationen seltener Anknüpfungspunkte gibt. Diesbezüglich würde es Sinn machen, wenn sich die Verantwortlichen von „Go for Culture" und Vertreter des Wienerlieds an einen Tisch setzen und potentielle Strate- gien besprechen. RL: So ein Projekt wäre auch für Senioren interessant, denn auch bei Pensionisten ist der Zugang zur Kultur öf- ters eine Geldfrage. Abgesehen vom Wiener Kulturpass der sozial Benachteiligte unterstützt, könnten Sie sich spezielle Angebote bzw. Aktionen für Großeltern vorstel- len, wo Oma und/oder Opa das Kulturgut unserer schö- nen Stadt, ihren kleinen Lieblingen weitergibt? MP: Es gibt in Wien eine Vielzahl an Veranstaltungen, die mittels gezielter Förderung durch die Stadt auf die Einhe- bung von Ticketpreisen zu Gänze verzichten können. Je- der kennt die Events am Wiener Rathausplatz, aber auch abseits des Zentrums tut sich enorm viel. Und ich rede hier nicht vom Donauinselfest. Sämtliche Bezirksmuseen, das MUSA, das Blasmusikfest, das Fest der Freude, die Kinderuni Wien, die Wiener Vorlesungen - die Liste der Veranstaltungen, die frei zugänglich sind, ist in unserer Veranstaltungen und Events der Stadt, die einem breiten Publikum bei freiem Eintritt zugänglich gemacht werden. Können Sie sich vorstellen, dass in diesem Heft (im Web- shop der Stadt Wien bzw via email: post@ma07.wien.gv.at erhältlich) auch Platz für die Bühne Donaupark gefunden werden kann, die u. a. das Wienerlied in den Vordergrund stellt? MP: Die Bühne Donaupark liefert eindrucksvollen Beleg dafür, wieviel mehr Veranstaltungsorte es in Wien gibt, die den Bürgerinnen und Bürgern frei und ohne Eintritt zugänglich sind. Bisher war der Umfang der Broschüre „Gratis aber nicht umsonst" so bemessen, dass nicht sämtliche derartige Unterhaltungsmöglichkeiten gelistet werden konnten. Gerade aber was das Wienerlied betrifft, wäre eine redaktionelle Nennung in Zukunft sicher sinn- voll. RL: Vielen herzlichen Dank